Kategorien
CDs

Delain – Apocalypse & Chill

Während die Label-Kollegen von SERENITY mit ihrem letzten Studiowerk auf hohem Niveau stagnieren, machen DELAIN nach dem enttäuschenden „Moonbathers“ mit „Apocalypse & Chill“ einen gewaltigen Spung in die richtige Richtung. Daß ein starkes Album zu erwarten war, zeichnete sich schon auf der Tour Ende 2019 ab, als einige der neuen Songs bereits vor Veröffentlichung live präsentiert wurden.

Ist der Opener „One Second“ in bester IRON MAIDEN-Tradition das schwächste Stück des Albums, so startet „Apocalypse & Chill“ mit „We Had Everything“ anschließend richtig durch. Vor allem die abwechslungsreichen und teilweise stark nach 80’er klingenden Keyboards lassen aufhorchen. Songs wie „Chemical Redemption“ oder „Creatures“ (mit eingestreuten QUEEN-Zitat) gehören zum besten, was DELAIN je auf Scheibe gebannt haben. Die Band, seit dem Ausstieg von Merel Bechtold wieder zum Quintett geschrumpft, legt sich mächtig ins Zeug und gönnt dem Hörer lediglich bei „Ghost House Heart“ eine kurze, wenn auch schöne Verschnaufpause.

Zu einer Zeit entstanden, als eine weltweite Corona-Pandemie noch nicht zu erahnen war, beschäftigt sich „Apocalypse & Chill“ weitestgehend mit zwischenmenschlichen Katastrophen. Songs wie „Let’s Dance“ lassen aber auch an den Tanz am Abgrund denken, an dessen Rand sich die Menschheit in vielerlei Hinsicht befindet.

Kategorien
Verschiedenes

Martin Birch R.I.P.

Das erste Mal bewusst über den Namen Martin Birch bin ich 1986 im Booklet der damals brandaktuellen Compact Disc IRON MAIDEN „Somewhere In Time“ gestolpert. Im Laufe der nächsten Jahre habe festgestellt, daß Martin Birch an vielen Alben beteiligt war, die ich zu meinen Lieblingsalben zähle: DEEP PURPLEs „In Rock“ , RAINBOWs „Rising“ , BLACK SABBATHs „Heaven And Hell“ , WHITESNAKEs „Slide It In“ oder IRON MAIDENs „Seventh Son Of A Seventh Son“ – sie alle tragen auch seine Handschrift.

Sofern discogs.com nicht irrt, ist Roger Glovers „Elements“ das einzige Album, an dem Martin Birch nicht nur als Produzent, sondern auch gleichzeitig als Songschreiber, Musiker und Backgroundsänger mitgewirkt hat.

Am 9. August 2020 ist Martin Birch verstorben. R.I.P.

Kategorien
DVDs

Ayreon – Electric Castle and other Tales

Igor Strawinsky wird mit dem Satz „Too many pieces of music finish too long after the end“ zitiert, der mein Verhältnis zu den meisten AYREON-Werken recht treffend beschreibt. Egal, wie gut ich eine einzelne AYREON-Scheibe quer durch die ersten Takte und Tracks  finde, irgendwo im Mittelpart stellt sich bei mir ein Gefühl der Orientierungslosigkeit ein: zu sehr verschwimmen Track- und Themengrenzen und mich beschleicht das Gefühl, daß eine Reduktion auf das Wesentliche meinem persönlichen Hörerlebnis gut getan hätte.

Eine Ausnahme bleibt für mich bis heute „Into The Electric Castle“, das meine Einstiegsdroge ins AYREON-Universum war. Nicht nur, daß mich die musikalische Umsetzung der Geschichte vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen hatte, auch der grandiose Cast mit – allen voran – Fish als Highlander weiss bis heute zu begeistern. Umso bedauerlicher fand ich, daß bis die Kunde über eine Live-Aufführung es bis zu mir geschafft hatte, bereits alle Konzerte ausverkauft waren. Also blieb nur das Warten auf die Konserve, welche sich in verschiedenen Verpackungen und audio-visuellen Formaten den Weg in die heimischen Wohnzimmer bahnt.

Zur Aufführung, die an vier Abenden im 013 in Tilburg stattfand, konnte fast der komplette origiale Cast des Studioalbums organisiert werden und da, wo Lücken entstanden, wurden diese mehr als würdig nachbesetzt: als besonders herausragend ist hier John Lancie (bekannt als „Q“ aus „STAR TREK: The Next Generation“) zu nennen, der die Rolle des Erzählers mit einer grandiosen Präsenz ausfüllt und dem in jeder Sekunde anzumerken ist, wie sehr ihn die Rolle in seiner ersten Rockoper mit Spaß erfüllt. Die Rolle von „The Indian“ (im Original von WITHIN TEMPTATION-Sängerin Sharon den Adel verkörpert) wird von EPICA-Sängerin Simone Simons übernommen, während ihr Bandkollege Mark Jansen die Rolle eines der beiden Tode verkörpert. Den meisten Applaus erhält wie erwartet Maestro Arjen Lucassen selbst, der sich in der Rolle des Hippie sichtlich wohl zu fühlen scheint. Sein „Partner in Crime“ Jost von de Beek erfüllt hinter den Tasteninstrumenten seine Rolle als musikalischer Dreh- und Angelpunkt wie schon bei „Ayreon Universe“ souverän.

Nicht nur die musikalische Umsetzung ist gelungen, auch für’s Auge wird einiges geboten und die auf der Bühne errichtete Burg mit integrierten Leinwänden ist mehr als Background-Deko, sondern wurde gut ins Geschehen integriert.

Als Bonus gibt es noch eine ganze Reihe ausgewählter Songs aus verschiedenen Projekten, von denen besonders „Twisted Coil“ (ursprünglich aus dem Projekt THE GUILT MACHINE stammend) hervorgehoben werden muss. Wer schon immer den Gedanken hatte, daß der Song eigentlich Damian Wilson wie auf den Leib geschneidert wirkt, kann sich hier davon überzeugen, daß dem tatsächlich so ist.

Bedauernswert bei der Auswahl ist lediglich, daß man (wie den Specials zu entnehmen) Fish überredet hat, statt der von ihm vorgeschlagenen „Incommunicado“ oder „The Company“ doch „Kayleigh“ zu intonieren. Wer einmal Fishs Soloalbum „Sushi“ (aufgenommen 1994 in Utrecht) gehört hat, weiß, daß man den Mann nicht auf „den einen Hit“ reduzieren muss, damit die Halle tobt.

Kategorien
CDs

Serenity – The Last Knight

SERENITY veröffentlichen mit „The Last Knight“ ein weiteres Studioalbum – und damit ist leider auch fast schon alles gesagt.

Ähnlich wie der Vorgänger „Lionheart“ stagniert „The Last Knight“ auf hohem Niveau und wirkt im Gegensatz zu früheren Werken wie „Death & Legacy“ oder „Codex Atlanticus“ bereits beim ersten Hören seltsam vertraut. Gefüht bleibt nicht nur textlich ein „nächstes Thema“, „nächste Platte“ und die nächsten Mannen ziehen in die Schlacht – diesmal eben nicht für Richard Löwenherz sondern zum Ruhme und zur Ehre von Kaiser Maximilian I.

Um einen (zugegebenermaßen hinkenden) Vergleich zu bemühen fühlt sich „The Last Knight“ wie eine Episode aus STAR TREK: THE NEXT GENERATION an – handwerklich gut gemacht, mit guten Akteueren besetzt, aber immer an die „Prime Directive“ denkend und ohne Überraschungen. Etwas mehr Wagemut und Abwechslung hätten sowohl der Band als auch dem Album gut getan.

Kategorien
CDs

Conception – State of Deception

Rund 23 Jahre nach dem letzten Longplayer „Flow“ melden sich CONCEPTION mit einer neuen Scheibe zurück – wobei dies nicht ganz richtig ist, denn bereits 2018 gab es mit der „re:conception“-Single sowie der „My Dark Symphony“-EP ein zwischenzeitliches Lebenszeichen der Band.

„State of Deception“ irritiert nicht nur beim ersten Durchlauf und entpuppt sich als überraschend experimentell und sperrig, Songs wie „Of Raven and Pigs“ und „No Rewind“ wollen nicht so recht ins Bild passen, das „My Dark Symphony“ angedeutet hatte. Wenn eine Band schon über einen Sänger vom Kaliber eines Roy Khan verfügt, sollte man diesen auch singen lassen und dessen Stimme nicht im Übermaß mit Effekten belegen und verfremden.

Als klares Highlight des Albums entpuppt sich die Vorab-Single „Waywardly Broken“, welche gleichzeitig ein atmosphärisches und auch musikalisches Highlight des Albums darstellt, dicht gefolgt von „Anybody Out There“ und „By the Blues“, das mit seinem düsteren und einprägsamem Riff ebenfalls nach dem ersten Hören im Gedächtnis bleibt.

Alles in allem wäre bei „State of Deception“ in den rund 40 Minuten mehr drin gewesen und somit ist das Album – trotz einiger unverkennbarer Stärken – vor allem im Hinblick auf die bisherigen Veröffentlichungen der Band leider eine kleine Enttäuschung, wenn auch auf hohem Niveau.