Kategorie: Audio

Imagine Dragons - Origins

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Eigentlich höre ich mir Alben gerne vor dem Kauf an, aber nach dem Motto "Was kann man für wenige Euro schon falsch machen?" wurde "Origins" von IMAGINE DRAGONS spontan beim Einkauf mitgenommen.

Während Bandname und Cover auch zu einer typischen Prog-Platte passen könnten, macht der Blick auf die Rückseite des Albums klar, daß es bei IMAGINE DRAGONS deutlich geradeliniger und moderner zugeht. Mit "Natural" eröffnet der stärkste Track das Album, bevor es bereits beim zweiten Song "Boomerang" langsam nervig wird und man verzweifelt versucht, Blümchen ("Wie ein Bum-bum-bum-bum-bumerang ...") wieder aus der Gedankenwelt zu verbannen. Leider klingen viele der Songs austauschbar und beliebig, so daß im Laufe des Albums die Orientierung immer mehr verloren geht.

Lediglich mit "West Coast" gibt es nochmal einen Höhepunkt nahe der Albummitte, bevor es im letzten Drittel so richtig bergab geht und jeder der abschließenden Songs auch beim nächsten Eurvision Song Contest von der Bühne schallen könnte. Der Schlußsong "Love" ist nicht nur musikalisch belanglos, die platte Message "All around the world - we are one" würde auch textlich hervorragend in den Wettbewerb passen. Es hat wohl seinen Grund, daß im Booklet vorsichtshalber keine Texte abgedruckt wurden.


Lionheart - Hot Tonight

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CoverRund vier Jahre nach seinem Ausscheiden bei IRON MAIDEN meldete sich Dennis Stratton 1984 mit LIONHEARTs "Hot Tonight" musikalisch zurück,  bevor wieder Funkstille einkehrte. Er war zwar in anderen Bands und Projekten aktiv, aber es dauerte nach der Veröffentlichung weitere 33 Jahre, bevor LIONHEART mit "Second Nature" wieder aus der Versenkung auftauchten.

Der Opener "Wait For The Night" beginnt mit typischem 80's Keyboardintro und sowohl die Instrumentierung als auch die Melodien machen Lust auf zusätzliche Runden im CD-Player. Musikalisch wird alles geboten, was man in der damaligen Zeit erwarten konnte: viel Keyboard, Chöre, Saxophon, nicht zu harte Gitarren und noch viel mehr Herzschmerz.

Erschreckend hingegen sind aber die (aus heutiger Sicht?) überwiegend mehr als peinlichen Texte. Spätestens beim Titelsong "Hot Tonight" setzt beim Hörer ein Fremdschäm-Effekt ein, der auch beim darauffolgenden "Die For Love" dank lyrischer Ergüsse wie "Tonight we gonna make it to heaven, babe, just take me, I'm yours" nicht wieder verschwindet.

Mitten auf das Album hat sich mit "Nightmare" dann noch ein GILLAN-Cover verirrt, das sich in der dargebotenen Form zwar nahtlos in den Rest des Albums einfügt, mit dem Original aber nicht mithalten kann.

Es ist schwer, "Hot Tonight" im Rückspiegel fair zu betrachten. Das Album hat im Laufe der Jahrzehnte wahrscheinlich einiges an Reiz und Magie verloren und dürfte wohl hauptsächlich für Komplettisten oder Hörer interessant sein, welche die darauf enthaltenen Songs bereits in den 80'ern kennen und lieben gelernt haben.


Cornerstone - Human Stain

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CoverIm PURPLE-Land wenig neues: Während DEEP PURPLE lieber mit neuem Keyboarder durch ferne Lande ziehen statt sich mit dem Schreiben neuen Songmaterials "aufzuhalten" und Ritchie Blackmore den Regenbogen noch immer nicht wiederbelebt hat, waren auch die hoffnungsvollen Scheiben der "Nachfolgebands" kaum ein Grund zur Freude. Das letzte COMPANY OF SNAKES-Album "Burst The Bubble" enttäuschte auf ganzer Linie und auch das gemeinsame HUGHES-TURNER-PROJECT konnte mich nicht so recht überzeugen.

Schön, daß es aber trotzdem noch einen Hoffnungsschimmer gibt - das ehemalige RAINBOW-Goldkehlchen Doogie White hat zusammen mit ROYAL HUNT-Bassist Steen Mogensen eine neue CORNERSTONE-Scheibe veröffentlicht, die es in sich hat.

War das erste Album "Arrival" noch eher von ruhigen und atmosphärischen Tönen geprägt, so rockt "Human Stain" deutlich mehr "nach vorne" los und weiß durch ausgreifte Kompositionen sowie die druckvolle Produktion auf der ganzen Linie zu überzeugen. Richtig schwache Songs sind auf dem Album nicht zu finden, auch wenn nicht alle den Klassiker-Character eines "Wounded Land", "Future Rising" oder "Resurrection Sympathy" mitbringen. Leider bringt viel Licht auch meist etwas Schattenwurf mit sich - im Falle von "Human Stain" eindeutig die Texte, die Stellenweise an "Reim Dich oder ich freß' Dich"-Qualität nicht mehr zu überbieten sind. Beispiele gefällig? Wie wär's mit "Sweet angel of the street, come dance with me" oder "Resurrect some sympathy. What's been good for you ain't right for me." Wer mehr als eine der oben genannten Bands auch nur ansatzweise gut findet, sollte hier zugreifen - und wird es nicht bereuen.

Macht unter'm Strich 15 Punkte für die Musik, minus einem Punkte für die Texte; also:

Super (14/20)

2002 für das Online Empire verfasst, fehlte dieser Beitrag bisher im Blog.


Suzi Quatro - The Devil In Me

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Suzi Quatro - die Frau, die meist in schwarzes Leder gekleidet und mit einer Bassgitarre bewaffnet ist, die (gefühlt) größer ist als sie selbst. Wie hat sie meine Generation in den 1970er Jahren an den Eiern gepackt (sorry), sie gehörte (neben diversen Glam-Rock-Bands) eindeutig zur sog. musikalischen Sozialisation der "Generation 1960". Sie war eindeutig eine Künstlerin, die man mit Fug und Recht als Single-Musikerin / Künstlerin bezeichnen kann. Ihre Longplayer waren meist keine wirklichen Blockbuster, ihre Singles jedoch sind Glam-Rock-Songs für die Ewigkeit.

Ab Mitte der 1980er Jahre war sie für gut 2 Dekaden kaum mehr präsent, ihre (wenigen) Alben fanden kaum Gehör und sie tourte auf Dutzenden von "Oldie-Festivals" durch die Gegend. Das änderte sich 2006 und 2011 mit 2 Spätwerken, die sowohl von Kritik wie vom Publikum zumindest wohlwollend aufgenommen wurden. Dann - ganz plötzlich - startete sie 2019 mit "No Control" richtig durch und als wäre das eine Art Initialzündung gewesen, wurde „The Devil In Me“ 2021 nachgeschoben.

Das Album wurde fast schon begeistert von der Kritikerzunft aufgenommen. Suzi Q. zeigte sich im zarten Alter von (fast) 71 Jahren in voller Power, voller Soul und mit deftigem Groove. Bereits der Opener "The Devil In Me" rockt los, als gäbe es kein Morgen, das darauf folgende "Hey Queenie" ist eine knallharte Bluesrock-Nummer mit herrlichem Drive, da wippt nicht nur mal so der rechte Fuß und allerspätestens bei "Betty Who?" hat sie mich voll an der Angel.

Über die gesamte Länge des Albums pumpt das Rock-Herz der 1970er Jahre, man kann diese coole Zeitreise einfach nur genießen. Da ist es auch locker verschmerzbar, dass ein einziger Song ("My Heart And Soul") nicht so wirklich in die Reihe passt. Ich nehme ihn der Einfachheit halber als eine Art Verschnaufpause und Beweis dafür, dass Ihre Stimme auch für Balladeskes taugt. Danach darf sie dann auch gerne wieder mit einem Knallersong auf gewaltigem Soul-Fundament weiter losrocken.

Fazit: tolle Frau, tolles Album, feine Reise "back to the roots of rock".


Lionheart - The Reality Of Miracles

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Achtung Verwechslungsgefahr! Wer sich auf die Suche nach der Band LIONHEART macht, erhält in der Regel zuerst Treffer zur 2004 gegründeten Hardcore-Punk-Band aus Oakland, Kalifornien. Hier geht es aber um die aus UK stammende, 1980 gegründete Hard Rock-Band, zu der aktuell noch nicht einmal ein eigener Eintrag in der deutschen Wikipedia existiert.

Wenn bereits außen auf der Hülle trotz Bandlogo die einzelnen Namen der Musiker aufgeführt sind, dann ist der in letzter Zeit deutlich überstrapazierte Begriff "Supergroup" naheliegend. Auf diesen hat man aber im aktuellen Fall glücklicherweise verzichtet, denn nur wenige werden mit allen Namen etwas anfangen können. Wahrscheinlich aus diesem Grund wurden im dicken Booklet gleich mehrere Seiten für Band Connections und Projektbeteiligungen reserviert:

Lee Small (Vocals) ist bei Andy Scott’s SWEET am Start, Dennis Stratton (Guitar) steuert ein rund 40 Jahre altes IRON MAIDEN-Logo bei, Steve Mann (Guitar) war bereits bei ELOY sowie der McAULEY SCHENKER GROUP zu hören, bei der auch Rocky Newton (Bass) involviert war und Clive Edwards (Drums) schwang die Stöcke schon für UFO.

Alles schön und gut, aber nur die wenigsten Hörer werden sich ein Album alleine auf Grund historischer Verdienste zulegen. Viel wichtiger sollte sein, was aktuell aus den Boxen schallt und die Songs brauchen sich sowohl handwerklich als auch kompositorisch nicht hinter den Taten vergangener Tage zu verstecken. Das Material ist durchweg gelungen, für einen absoluten Spitzenplatz reicht es aber nicht ganz. Vor allem bei den Texten hätte man einen Gang zurückschalten können, denn das Bedienen von 80'er Hard- und Melodic-Rock Klischees ist sicherlich zur Musik passend, stellenweise aber nicht unbedingt dem Alter der Interpreten angemessen.

Letztendlich macht die Scheibe aber bei jedem Duchlauf Spaß und es bleiben auch genügend Melodien im Ohr hängen, um "The Reality Of Miracles" zeitnah erneut aufzulegen.