Kategorie: Audio

Dream Theater - A View From The Top Of The World

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DREAM THEATER melden sich mit ihrem 15. Studioalbum zurück und leider bewahrheitet sich, was die erste Auskopplung "The Alien" schon vermuten ließ.

Während der Vorgänger "Distance Over Time" einen Fokus auf gutes, kompaktes Songwriting und griffige Melodien hatte, gerät bei "A View From The Top Of The World" mehr als einmal aus dem Blick, daß ein guter Song mehr ist als eine Aneinanderreihung von Ergebnissen technisch durchaus beeindruckender Handwerkskunst.

Das bereits erwähnte "The Alien" ist ein rund 9,5 Minuten langer Track, der bis auf wenige erinnerungswürdige Momente vor sich hinplätschert und spätestens am Songende größtenteils bereits wieder vergessen ist. Daß es die Band durchaus besser kann, beweisen "Invisibe Monster" und "Transcending Time" im Mittelteil des Albums, in denen genau das an anderer Stelle fehlende Songwriting und die griffigen Melodien hervorblitzen. Der titelgebende Schlusstrack demonstriert dann leider nachdrücklich, daß es für ein großartiges Prog-Epos deutlich mehr braucht als 20 Minuten Laufzeit mit technisch versierten Passagen zu füllen. Kein Vergleich zum Spannungsbogen eines "Octavarium", stattdessen bleibt das Gefühl einer in manchen Momenten zusammenhangslosen Collage zu lauschen, die über weite Strecken schlicht langweilt.

Auf ein Album wie "A View From The Top Of The World" könnten viele Bands stolz sein, für DREAM THEATER sind 40 hörenswerte von insgesamt 70 Minuten doch eine eher magere Ausbeute.


Brian Setzer - Gotta Have The Rumble

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Der Mann: 61
Die Lederjacke: passt
Das Bike: stilecht eine Triumph

Brian Setzer ist ein Phänomen, er bewegt sich in einem doch eher schmalen Musikbereich und schafft es trotzdem, nicht von Album zu Album wie die Kopie der Kopie zu klingen.

Natürlich muss oder sollte man zumindest diese Rock'n'Roll – Rockabilly – Mixtur mögen, ansonsten kann man das Album wohl gleich vergessen. Wer jedoch ein gewisses Faible für relativ rotzigen "Roggnroll" hat, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Ob -wie in den Anfangsjahren- mit den Stray Cats oder zusammen mit seinem "The Brian Setzer Orchestra", seine Musik wirkt trotz ausgesprochenem Vintage-Feeling immer wie "a breath of fresh air".

Hört man "Gotta Have The Rumble" im Auto, könnte man sogar zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden, wenn der rechte Fuß ziemlich unkontrolliert aufs Gaspedal trommelt. Das Album ist durchgehend ein Abräumer und feiert alle Spielarten des Rock'n'Roll der 1950er Jahre fast schon frenetisch ab. Setzer singt, spielt und swingt dabei so abgebrüht cool, dass im wohl derzeit in seinem Metier kaum einer das Wasser reichen kann.

Cooler Typ, cooles Album und Roggnroll-Power satt. Was will man mehr? Es sei denn, man bekommt bei Schmalztolle, Lederkluft und Rockabilly den großen Fluchtreflex.


Steve Hackett - Surrender Of Silence

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Steve Hackett ist so ziemlich der einzige aus der alten Genesis-Garde, der über die Jahrzehnte nicht nur in Bezug auf seine Solo-Werke ziemlich produktiv war, sondern auch mit seinen Ausflügen in diverse Genres (insbesondere auch in die sog. "Weltmusik") für etliche Aha-Erlebnisse sorgen konnte. Seit dem Vorgänger-Album ("Under A Mediterranean Sky") habe ich ihn wieder richtig im Fokus.

War besagter Vorgänger ein kompositorisch wirklich feines Werk mit durchgehend akustischer Gitarre und teils barocken Anleihen, ist dieses zweite Album innerhalb eines Jahres eine Art von großorchestraler Werkschau. Eine Symbiose aus Prog-Rock und Classic, garniert mit kongenialen Mitstreitern, welche ganz offenbar alle eine Menge Spass an der Sache haben.

Dabei werden selbst 8-Minüter wie "Shanghai To Samarkand" mit diesem herrlich orientalischen Schlag niemals auch nur im Ansatz langweilig. Der feinen Instrumentierung und hier insbesondere den flirrenden Gitarren sei es gedankt, ein ganz herrlicher Song, der für manche Überraschung sorgt.
Ich kenne derzeit keinen Protagonisten aus der alten Prog-Garde, der so wunderbar die Genres miteinander verknüpfen kann, ohne dass es auch nur im Ansatz nach einer gewissen Anbiederung im Sinne von "ich zeige euch jetzt mal, was man so alles miteinander verwurschteln kann" anhört.

Mir macht das Album einen riesigen Spaß, es ist eines von der Sorte, die ich zweimal hintereinander hören könnte und dabei immer wieder neues Schlenker und Überraschungen entdecke. Von daher ist es auf jeden Fall in meinen Top 10 für dieses Jahr.

Meine beiden Lieblinge auf dem Album: "Shanghai to Samarkand" und "The Devil's Cathedral"


Brandi Carlile - In These Silent Days

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In unseren Breiten kennt man Brandi Carlile kaum, am ehesten dürfte sie Fans der Serie "Grey´s Anatomy" bekannt sein, in den ersten Staffeln steuerte sie etliche Songs bei. Dazu ist sie mehrfache Grammy-Preisträgerin, was auch nicht unbedingt gegen sie spricht. Country-Fans wissen, dass sie Mitglied einer 2019 gegründeten sog. "Country-Supergroup" namens "THE HIGHWOMEN" ist. Ganz nebenbei: die vier Damen sind richtig gut, wenn man diesen mehrstimmigen, von leichtem Roots-Feeling durchzogenen Countrysound mag.

Solo ist Miss Carlile eher auf folk-rockigen Pfaden unterwegs, mit einem guten Schuss "Americana", ein paar Anklänge an CSNY und einem musikalisch durchaus raushörbaren Faible für Joni Mitchel. Man könnte sagen: so wenig Country wie möglich, so viel Americana-Folk-Rock wie nötig.

Stimmlich hat sie Power, Körper mit ab und an ganz leichtem Tremolo zu bieten, hat allerdings auch die leisen Töne drauf, dabei jederzeit viel Gefühl in den Stimmbändern ("When You´re Wrong"). Gegen Ende des Albums legt sie nochmal richtig zu, was sich in dem sich ziemlich eruptiv aufbauenden Song wie "Sinners, Saints and Fools" zeigt, eine meiner Lieblingsstücke auf dem Album. Insgesamt ein Album, welches man vielleicht in der Summe als sehr geschmackvoll und weitestgehend befreit von den üblichen Country-Klischees bezeichnen könnte.

Das Ergebnis der Produktion empfinde ich -am Rande bemerkt- als klangliche Oberklasse. Es scheint, als wäre hier weitestgehend analoge Aufnahmetechnik am Werk gewesen, das gesamte Album klingt immer nach einer ordentlichen Portion "Vintage".

Als Hörpoben empfehle ich meine zwei Lieblinge des Albums "When You're Wrong" und "Sinners, Saints and Fools"


Imagine Dragons - Origins

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Eigentlich höre ich mir Alben gerne vor dem Kauf an, aber nach dem Motto "Was kann man für wenige Euro schon falsch machen?" wurde "Origins" von IMAGINE DRAGONS spontan beim Einkauf mitgenommen.

Während Bandname und Cover auch zu einer typischen Prog-Platte passen könnten, macht der Blick auf die Rückseite des Albums klar, daß es bei IMAGINE DRAGONS deutlich geradeliniger und moderner zugeht. Mit "Natural" eröffnet der stärkste Track das Album, bevor es bereits beim zweiten Song "Boomerang" langsam nervig wird und man verzweifelt versucht, Blümchen ("Wie ein Bum-bum-bum-bum-bumerang ...") wieder aus der Gedankenwelt zu verbannen. Leider klingen viele der Songs austauschbar und beliebig, so daß im Laufe des Albums die Orientierung immer mehr verloren geht.

Lediglich mit "West Coast" gibt es nochmal einen Höhepunkt nahe der Albummitte, bevor es im letzten Drittel so richtig bergab geht und jeder der abschließenden Songs auch beim nächsten Eurvision Song Contest von der Bühne schallen könnte. Der Schlußsong "Love" ist nicht nur musikalisch belanglos, die platte Message "All around the world - we are one" würde auch textlich hervorragend in den Wettbewerb passen. Es hat wohl seinen Grund, daß im Booklet vorsichtshalber keine Texte abgedruckt wurden.