Kategorien
CDs

Delain – Apocalypse & Chill

Während die Label-Kollegen von SERENITY mit ihrem letzten Studiowerk auf hohem Niveau stagnieren, machen DELAIN nach dem enttäuschenden „Moonbathers“ mit „Apocalypse & Chill“ einen gewaltigen Spung in die richtige Richtung. Daß ein starkes Album zu erwarten war, zeichnete sich schon auf der Tour Ende 2019 ab, als einige der neuen Songs bereits vor Veröffentlichung live präsentiert wurden.

Ist der Opener „One Second“ in bester IRON MAIDEN-Tradition das schwächste Stück des Albums, so startet „Apocalypse & Chill“ mit „We Had Everything“ anschließend richtig durch. Vor allem die abwechslungsreichen und teilweise stark nach 80’er klingenden Keyboards lassen aufhorchen. Songs wie „Chemical Redemption“ oder „Creatures“ (mit eingestreuten QUEEN-Zitat) gehören zum besten, was DELAIN je auf Scheibe gebannt haben. Die Band, seit dem Ausstieg von Merel Bechtold wieder zum Quintett geschrumpft, legt sich mächtig ins Zeug und gönnt dem Hörer lediglich bei „Ghost House Heart“ eine kurze, wenn auch schöne Verschnaufpause.

Zu einer Zeit entstanden, als eine weltweite Corona-Pandemie noch nicht zu erahnen war, beschäftigt sich „Apocalypse & Chill“ weitestgehend mit zwischenmenschlichen Katastrophen. Songs wie „Let’s Dance“ lassen aber auch an den Tanz am Abgrund denken, an dessen Rand sich die Menschheit in vielerlei Hinsicht befindet.

Kategorien
CDs

Serenity – The Last Knight

SERENITY veröffentlichen mit „The Last Knight“ ein weiteres Studioalbum – und damit ist leider auch fast schon alles gesagt.

Ähnlich wie der Vorgänger „Lionheart“ stagniert „The Last Knight“ auf hohem Niveau und wirkt im Gegensatz zu früheren Werken wie „Death & Legacy“ oder „Codex Atlanticus“ bereits beim ersten Hören seltsam vertraut. Gefüht bleibt nicht nur textlich ein „nächstes Thema“, „nächste Platte“ und die nächsten Mannen ziehen in die Schlacht – diesmal eben nicht für Richard Löwenherz sondern zum Ruhme und zur Ehre von Kaiser Maximilian I.

Um einen (zugegebenermaßen hinkenden) Vergleich zu bemühen fühlt sich „The Last Knight“ wie eine Episode aus STAR TREK: THE NEXT GENERATION an – handwerklich gut gemacht, mit guten Akteueren besetzt, aber immer an die „Prime Directive“ denkend und ohne Überraschungen. Etwas mehr Wagemut und Abwechslung hätten sowohl der Band als auch dem Album gut getan.

Kategorien
CDs

Conception – State of Deception

Rund 23 Jahre nach dem letzten Longplayer „Flow“ melden sich CONCEPTION mit einer neuen Scheibe zurück – wobei dies nicht ganz richtig ist, denn bereits 2018 gab es mit der „re:conception“-Single sowie der „My Dark Symphony“-EP ein zwischenzeitliches Lebenszeichen der Band.

„State of Deception“ irritiert nicht nur beim ersten Durchlauf und entpuppt sich als überraschend experimentell und sperrig, Songs wie „Of Raven and Pigs“ und „No Rewind“ wollen nicht so recht ins Bild passen, das „My Dark Symphony“ angedeutet hatte. Wenn eine Band schon über einen Sänger vom Kaliber eines Roy Khan verfügt, sollte man diesen auch singen lassen und dessen Stimme nicht im Übermaß mit Effekten belegen und verfremden.

Als klares Highlight des Albums entpuppt sich die Vorab-Single „Waywardly Broken“, welche gleichzeitig ein atmosphärisches und auch musikalisches Highlight des Albums darstellt, dicht gefolgt von „Anybody Out There“ und „By the Blues“, das mit seinem düsteren und einprägsamem Riff ebenfalls nach dem ersten Hören im Gedächtnis bleibt.

Alles in allem wäre bei „State of Deception“ in den rund 40 Minuten mehr drin gewesen und somit ist das Album – trotz einiger unverkennbarer Stärken – vor allem im Hinblick auf die bisherigen Veröffentlichungen der Band leider eine kleine Enttäuschung, wenn auch auf hohem Niveau.

Kategorien
CDs

Album-Highlights 2019

Meine Album-Highlights des Jahres 2019 in alphabetischer Reihenfolge:

Andre Matos – Time To Be Free

Den Meisten ist der leider viel zu früh verstorbene Andre Matos nur als der Ex-Sänger von ANGRA ein Begriff, aber seine Solowerke sind mindestens genauso hörenswert.

Dream Theater – Distance Over Time

Nach dem extrem enttäuschenden „The Astonishing“ melden sich DREAM THEATER mit dem besten Album seit „Black Clouds & Silver Linings“ zurück.

First Night – First Night

Die perfekte Zeitreise … unglaublich, daß dieses Album tatsächlich 2019 erschienen ist.

Lazuli – 4603 Battements

Lazuli sind erfrischend anders als andere Bands … passende Schubladen sind mindestens so schwer zu finden wie die Erstlingswerke der Band.

Heather – Nova Pearl

Auch Heather Nova meldet sich mit einem Album zurück, das die direkten Vorgänger ziemlich blaß aussehen lässt.

Maßgebend war das Anschaffungs-, nicht das Erscheinungsdatum.

Kategorien
CDs

Pink Floyd – The Final Cut

Auch wenn bei „The Final Cut“ noch der Name PINK FLOYD auf dem Cover steht, auf der Rückseite des Albums verrät der Satz „The Final Cut – a Requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“ einiges über die Entstehungsgeschichte des Albums.

Hierbei ist „PINK FLOYD“ mit Vorsicht zu genießen: Keyboarder Rick Wright, auf dem Vorgängeralbum „The Wall“ bereits nicht mehr als vollwertiges Bandmitglied gelistet, fehlt auf „The Final Cut“ komplett. Inwiefern es sich hierbei also um das letzte „klassische“ PINK FLOYD Album oder bereits die erste Roger Waters Soloscheibe handelt, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Das Album, 1983 veröffentlicht, ist geprägt vom Kalten Krieg und refernziert auf mehrere damals aktuelle Geschehnisse – insbesondere den Falklandkrieg, welcher von April bis Juni 1982 andauerte.

Wer die Ereignisse nicht mehr so richtig präsent hat, wird spätestens beim Text von „Get Your Filthy Hands Off My Desert“ gleich mehrmals zum Lexikon seines Vertrauens greifen:

Brezhnev took Afghanistan.
Begin took Beirut.
Galtieri took the Union Jack.
And Maggie, over lunch one day,
Took a cruiser with all hands.
Apparently, to make him give it back.

Die textlichen Aussagen sind – wie von Roger Waters gewohnt – oft mehr als deutlich und an einigen Stellen scheint die Musik lediglich dazu zu dienen, die Texte zu transportieren. Dazwischen glänzen Songs wie „The Gunners Dream“ mit einigen der beeindruckendsten Melodien, welche auf einem PINK FLOYD Album zu finden sind.

Der Song „The Fletcher Memorial Home“ zeichnet das Bild eines Heims für unheilbare Tyrannen und Könige, die dort im abgregrenzten Bereich ihre Reden schwingen und Medallien polieren können. Ein fast friedliches Bild, wäre da am Ende nicht die letzen drei Zeilen

Is everyone in?
Are you having a nice time?
Now the final solution can be applied.

Aufhorchen lassen auch die superben Soundeffekte wie z.B. der quer durch den Raum fliegende Jet am Anfang von „Get Your Filthy Hands Off My Desert“, nach dessen ersten Bombenwurf sicherlich der ein oder andere Hörer panisch die heimischen Lautsprecher auf Schäden untersucht hat.

„The Final Cut“ schließt mit „Two Suns In The Sunset“, einem Antikriegssong, der sich mit der Möglichkeit eines Atomkriegs beschäftigt („the sun is in the east, even though the day is done“) und gleichzeitig – passend zum Rest des Albums – neben der stärksten Leistung von David Gilmour mit Andy Newmark am Schlagzeug auf ein weiteres PINK FLOYD-Mitglied verzichtet.