Politiker und die Glaubwürdigkeit

In der SPD ging es in den letzten Wochen hoch her. Nachdem der Vorsitzende noch letztes Jahr mit 100% gewählt wurde, wird er – rund ein Jahr nach dieser Wahl – wohl nur noch als ehemaliger Vorsitzender und „normaler“ Abgeordneter irgendwo in den hinteren Bänken zu finden sein.

Warum dies so ist, darüber kann – und wird – viel spekuliert werden, letztendlich ist es IMHO die Tatsache, daß man als Wähler gerne Verlässlichkeit hätte, daß derjenige oder diejenige, dem man (s)eine Stimme gibt, sich auch an die eigenen Aussagen und Versprechen hält.

Gerade aus diesem Grund braucht es im Fall von Martin Schulz auch keine Verschwörungstheorien oder hinterhältig inszenierte Wasauchimmer – es reicht der einfach und simple Vergleich dessen, was er vor der Kamera öffentlich an einem Rednerpult stehend gesagt hat:

25. September 2017:

Daniel Friedrich Sturm: Herr Schulz, schließen Sie aus, daß sie in ein von Frau Merkel oder der CDU/CSU geführtes Kabninett eintreten als Minister.

Martin Schulz: Ja. Ja. Ganz klar. In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nie eintreten.

Auch nach dem dritten Anhören der Pressekonferenz ist nicht eindeutig, ob er „nicht“ oder „nie“ gesagt hat, dies ist an dieser Stelle aber auch nicht weiter dramatisch, da als inhaltsgleich zu bewerten.

07. Februar 2018:

Martin Schulz: Deshalb möchte ich, vorausgesetzt wir bekommen ein Mandat unserer Mitglieder, in die Regierung als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland eintreten.

Ein paar Monate später sieht die Lage offensichtlich anders aus – Martin Schulz möchte – frei nach dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ – nun doch gerne Minister sein, hält es aber nicht für weiter notwendig, diesen Sinneswandel auch nur ansatzweise zu begründen und wundert sich offensichtlich auch noch über den Sturm, der über ihn hereinbricht.

Wie wenig er das Grundproblem verstanden hat, wird in dem am 24. März erschienenen Spiegel-Artikel „Ich habe dumme Fehler gemacht“ klar, dessen Titel zuert Hoffnung macht, er hätte den Kern des Problems erkannt, aber leider ist dem nicht so:

„Die ganze Empörung über meinen Wunsch, Außenminister zu werden, lag wahrscheinlich daran, dass viele an der Parteibasis in mir einen untypischen Politiker gesehen haben und dann eben schockiert waren, dass ich einen typischen Politikerschritt mache“, sagte Schulz. „Möglicherweise hätten sie es jedem anderen verziehen. Mir nicht.“

Wenn so ein „typischer Politikerschritt“ aussieht, bleibt nur zu hoffen, daß es da draußen noch irgendwo untypische Politiker gibt …

Kommentar schreiben