Wahnsinnige Abzocke

jonolivaNachdem sich die Band ja in einer Art Dauer-NOP-Schleife befindet – also gewissermaßen seit Ewigkeiten absolut nichts macht – ist es als SAVATAGE-Fan zumindest tröstlich, daß die einzelnen Musiker die Pausenzeit nicht zum Dauerurlaub verwenden, sondern mit eigenen Projekten an den Start gehen.

Noch viel schöner ist es, wenn der eigentliche Mastermind (wie in dem Falle Jon Oliva) wieder selbst zum Mikro und in die Tasten greift, um genau dort weiter zu machen, wo nach seinem Ausstieg zu „Streets“-Zeiten ein hörbarer Bruch entstand.

Schon das erste Album „Tage Mahal“ der JON OLIVA’S PAIN genannten Truppe zeigt sehr deutlich, wohin die Reise gehen soll – der Zweitling „Maniacal Renderings“ bläst noch viel deutlicher ins Oldie-SAVATAGE-Horn und dürfte eigentlich für fast jeden junggebliebenen 80’er die Offenbarung schlechthin sein.

Soweit, so positiv – wenn das nicht das Wörtchen „wenn“ wäre.

Schon bei der Vorab-EP „Straight Jacket Memoirs“ stieß mir der Preis ganz gewaltig auf: für zwei neue Songs (einen davon gibt’s in zwei Versionen) plus zwei Livesongs wird man bei einem großen Online-Versender mit sagenhaften 7,99 Euro zur Kasse gebeten. Naja, auch der kann mal deutlich überteuert sein, nur leider sind die Preise sowohl bei der örtlichen als auch der Online-Konkurrenz im Bereich zwischen 6,99 und 8,99 Euro angesiedelt.

In der Hoffnung um etwas Aufklärung und mit dem Vorschlag, wie’s denn vielleicht mit einer Unverbindlichen Preisempfehlung wäre, habe ich mich direkt an die Plattenfirma AFM gewendet und von dort am nächsten Tag auch eine Antwort erhalten:

Tja, das ist leider ein leidiges Thema. Wir haben keinen Einfluss auf den Preis, den die Händler an ihre Kunden weitergeben, eine unverbindliche Preisempfehlung würde da auch nicht viel helfen, da sie ja im Sinne des Wortes „unverbindlich“ wäre. Jeder Händler ist freier Unternehmer und kann den Preis selbst bestimmen…

Sicherlich wäre eine UVP für den Händler immer noch „unverbindlich“, sie würde dem Endkunden aber zumindest die Möglichkeit geben, mal nachzufragen: „Wieso kostet die CD denn bei Euch XX,XX wenn sie doch mit einer UVP von YY,YY angegeben ist?“. Vielleicht würde das den einen oder anderen Händler doch zum Nachdenken/-geben bringen.

Daß es allerdings durchaus Punkte gibt, an denen eine Plattenfirma unabhängig von den nachgeschalteten Händlern fanfreundlich agieren könnte und es trotzdem nicht tut, sieht man nun leider beim gerade erschienenen Album „Maniacal Rendering“. In der Ankündigung auf der AFM-Website ist zu lesen:

Mit dem ersten September gehen auch die ersten beiden Editionen von „Maniacal Renderings“ von Savatage-Mastermind Jon Oliva in die Läden. Dabei handelt es sich um die reguläre Version des bereits jetzt von der Presse hochgelobten Albums, sowie um das limitierte und aufwändig gestaltete Digipack (inklusive Bonustrack „Reality `s Fool“). Ab Montag wird es um den Mountain King dann noch einmal metallischer: eine Special Limited Edition in der edlen Heavy Metal-Metallbox erblickt dann zusätzlich noch das Licht der Plattenläden, auch sie birgt noch einmal einen zusätzlichen Bonustrack mit dem Titel „Only You“ in sich. Nicht nur die Sammlerherzen werden dabei garantiert höher schlagen!

Bevor mich jemand falsch versteht: ich habe nichts dagegen, wenn zu der regulären Albumversion noch eine erweiterte (gerne auch „limitiert“ betitelte) Auflage zu einem leicht erhöhten Preis für die Die-Hard-Fans erscheint, aber was AFM hier als Dienst am Kunden bewerben, empfinde ich durchaus als Frechheit.

Die meisten Fans wollen ein neues Album an dem Tag in Händen halten, an dem es offiziell erscheint – und da gibt’s eben nur die reguläre Version sowei die aufwendige Spar-Limited. Wer aber (was bei Fans durchaus nicht unüblich ist) gerne die Limited-Limited im Regal stehen hätte und dabei trotzdem den Klängen aber schon am Erscheinungstag lauschen will, dem bleibt wohl nur die doppelte Anschaffung. Ganz zu schweigen von den Sammlerherzen, denn wer sowohl den Bonustrack „Reality’s Fool“ als auch den Bonustrack „Only You“ sein Eigen nennen will, darf gleich dreimal in die Tasche greifen, außer er verzichtet auf die Reguläre, was für einen Sammler aber wohl auch nicht in die Tüte kommt.

Sicherlich – niemand wird gezwungen, eine CD am Erscheinungstag zu erwerben, die Heavy Metal-Metallbox überhaupt haben zu wollen oder gar mehrfach Geld zu zahlen – aber darum geht es mir hier nicht: es geht um ein gewisses Maß an Fairness den Leuten gegenüber, von denen die Künstler und auch die Plattenfirmen letzendlich leben: den Fans.

Ich persönlich habe mich für einen ganz anderen Weg entschieden: ich habe sowohl Plastikkiste als auch Digi im Laden stehen lassen und werde mich solange mit den alten Savatage-Scheiben sowie „Tage Mahal“ vergnügen, bis ich eine der CDs in nicht allzu ferner Zukunft für unter 10 Euro erstehen kann.

Leid tut’s mir nur für die Fans (zu denen ich mich im Falle Jon Oliva auch zähle) und für den Künster, dessen Image wohl oder übel auch unter solchen Aktionen leidet …

„Anything worth selling is worth selling twice.“ (Ferengi Erwerbsregel #12)

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