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Konzerte

Bang Your Head 2002

Rhapsody

RHAPSODY sind eine Band, die (zumindest aus ihrer Selbstsicht) zu einem gewissen Teil nicht nur von der Musik sondern auch von deren optischer Präsentation lebt. Und so wurde denn auch ein Teil der sowieso schon knappen Spielzeit mit dem Auf- bzw. Abbau von Dekoelementen verschwendet, die nur leider um 12 Uhr Mittags ihre Wirkung total verfehlten.

Bonfire

Welch Kontrast zu BONFIRE, die musikalisch zwar ok aber auch nicht ansatzweise die leider ausgefallenen SYMPHONY-X ersetzen konnten. Was will man auch von einer Band erwarten, deren Sänger verkündet, er möchte auf lange Ansagen verzichten, dann eine politische Rede beginnend mit „Vor 60 Jahren …“ hält – nur um kurz drauf im Südstaatenjäckchen und mit Deutschlandfahne zu „Proud Of My Country“ über die Bühne zu rennen?!? History will teach us nothing, oder was?

Gamma Ray

Auf GAMMA RAY hatte ich mich schon tierisch gefreut, gehörten doch HELLOWEEN mit Kai Hansen zu meinem Einstiegsdrogensortiment in die Welt des Rock & Metal. Und so wurde ich auch nicht enttäuscht – ein Set das zum Großteil aus einem guten Mix der GAMMA RAY-Scheiben bestand wurde mit „Ride The Sky“ eingeläutet. Da fühlt man sich gleich wieder 10 Jahre jünger!

Fozzy

Irgendwie bin ich mir auch jetzt, ein paar Tage nach Ende des Festivals noch immer nicht sicher, was ich von dem Auftritt von FOZZY halten soll. Sicherlich als witzige Party-Einlage gedacht, ging der Scherz des Auftritts leider total an mir vorbei. Zwar war die Band nicht unbedingt schlecht, was aber eine fast reine Cover-Combo (einen Song des demnächst erscheindenden Erstlings „Happenstance“ gab’s zumindest zu hören) an einer solchen Position im Billing zu suchen hat, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Von „einer beeindruckenden Show, die größten Unterhaltungswert verspricht“ (Originalzitat Vorankündigung) kam bei mir jedenfalls bis auf einen Song nichts an. Und auch hier wage ich zu bezweifeln, daß dies an der Band lag – Hauptschuldiger war wohl mehr ACCEPTs „Balls To The Wall“ mit seinem giffigen Mitgröhl-Refrain. Schade, aber die Band hätte wohl besser Nachts ins Partyzelt zum Reanimieren von Alkoholleichen gepaßt. Da kann man nur sagen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten bzw. Chris, bleib bei Deinen Wrestlern!

Nightwish

Zu NIGHTWISH kann ich nicht viel sagen – außer, daß ich irgendwie nichts dazu sagen kann. Nachdem ich die Sangeskunst von Frontfrau Tarja Turunen ja schon bei Beto Vazquez „Infinity“ zu schätzen gelernt hatte, war ich doch sehr gespannt auf das Material der eigenen Band.

Doch leider wich die Spannung immer mehr einer Leere, ohne daß ich so recht festmachen konnte, woran es lag. An der Band wohl weniger, denn die wurde von den Umstehenden abgefeiert. Ich gehe einfach mal davon aus, daß man mit dem Songmaterial zumindest etwas vertraut sein muß, um ein NIGHTWISH Set genießen zu können – ich zumindest konnte meist keinen nennenswerten Unterschied zwischen den einzelnen Songs erkennen – bis auf die Zugabe „Over The Hills“ von GARY MOORE, das sich sowohl von seiner Originalversion als auch von Rest der NIGHTWISH Songs deutlich unterschied.

Saxon

Zu kaum einer Band habe ich so ein gespaltenes Studio/Live-Verhältnis wie zu SAXON. Ich habe noch kein Studioalbum der Band finden können, das mich auch nur ansatzweise begeistert hat und auch die „Best Of“ darf nur recht selten ihre Runden in meinem CD-Player drehen – auf der anderen Seite schaffen sie es live aber jedesmal, mich in ihren Bann zu ziehen. Und so war es auch diesmal wieder.

SAXON boten ein Set, das hauptsächlich aus älterem Material bestand und in das ab und zu auch mal ein Song neueren Datums eingebettet wurde – die Band war sich durchaus klar, was die meisten Anwesenden hören wollten. Und so war denn auch Biff’s Frage „Wollt ihr lieber was neues oder was altes hören“ mehr rhetorischer Natur als wirklich ernst gemeint.

Überhaupt war die Stimmung während des Gigs sehr gut, Biff scherzte mit dem Publikum (er sagte mehrmals „Crusader“ an, nur um anschließend gleich ein „kommt später“ dranzuhängen), bedankte sich bei den Veranstaltern für die schöne Bühne(!) und als bei „The Eagle Has Landed“ dann tatsächlich der Strahleadler von der Bühendecke schwebte und bei Crusader zwei Rittersleut‘, die als „Bruce Dickinson and Lemmy Kilminster“ vorgestellt wurden, die Bühne betraten war wohl auch dem letzten Klar, daß SAXON ein würdiger Headliner für diesen Freitag waren.

Tankard

Recht spaßig legten TANKARD am nächsten Tag los – passend zur noch recht frühen Uhrzeit komplett in Schlafanzügen. Die Performance war allerdings alles andere als schläfrig, es gab ein buntgemischetes Programm aus zwanzig Jahren Bandgeschichte, in dem auch die absoluten Tophits wie „Empty Tankard“ nicht fehlten. Und wer sich wunderte, warum denn die Band im Jubiläumsjahr schon so früh ran musste, bekam von Sänger Gerre auch gleich die passende Erklärung geliefert: „Eigentlich sollten wir ja um 20 Uhr spielen – aber da sind wir schon viel zu voll!“ Na denn Prost!

Vanden Plas

Anschließend ging es musikalisch in eine komplett andere Richtung – nach der obligatorischen Umbaupause betrat die einzige Progressivmetal-Combo des Festivals VANDEN PLAS die Bühne. Sicherlich waren die Reihen nach dem TANKARD-Gig wieder etwas lichter, aber VANDEN PLAS legten gekonnt los und wussten die Anwesenden trotz ihres nicht unbedingt Festival-kompatiblen da komplexen Songmaterials zu überzeugen. Schade eigentlich nur, daß sich die Band (wie so manch andere an diesen beiden Tagen) zu sehr auf das Material des aktuellen Albums konzentrierte und dabei Kracher wie „Inside Of Your Head“ übergangen wurden.

Nichtsdestotrotz setzte „Rainmaker“ einen glücklicherweise vom Wettergott nicht erhörten furiosen Schlußpunkt ans Ende des Auftritts, mit dem sich VANDEN PLAS hoffentlich eine Reihe neuer Fans erspielen konnten.

Nevermore

Als Partyband des Festivals 2002 werden wohl Nevermore in die Geschichtsbücher eingehen, waren doch gegen Ende des Gigs mehr Fans auf der Bühne zu finden als Musiker. Die durften denn auch (sofern sie vor lauter Glückseeligkeit überhaupt mitbekamen, daß ihnen ein Mikro vor die Nase gehalten wurde) bei vorhandenenr Textkenntnis ein paar Worte singen bzw. schreien, bevor es mit mehr oder (meist) weniger gekonntem Sprung zurück ins Publikum ging.

Die Songauswahl konzentrierte sich leider auf die NEVERMORE-Alben, die viel geforderten SANCTUARY-Rufe wurden leider überhört.

Doro

Nachdem MAGNUM leider krankheitsbedingt eine Woche vor dem Festival ausfielen, erklärte sich DORO spontan bereit, die entstandene Lücke zu füllen. Und im Gegensatz zum recht unglücklich gewählten Ersatz für SYMPHONY-X passte DORO recht gut als Lückenbüßer. Daß die Dame schon etwas länger im Geschäft ist und zumal das Gelegenheitspublikum eines solchen Festivals besser einzuschätzen weiß merkte man schnell, so bekamen wir statt vielen Songs aus DOROs Solokarriere hauptsächlich Material vom allseits bekannten „Triumph And Agony“-Album zu hören.

Einzige Auffälligkeit (neben Doro Peschs Schnürdress) war das Gepose des Bassisten, das überhaupt nicht so recht zur Show passen wollte und eher irgendwo bei MÖTLEY CRÜE oder POISON gut aufgehoben wäre.

Halford

„Was ist denn bloß mit Halford los?“ war wohl DIE Frage des zweiten Tages und ich habe selten bei einem Gig so viele Leute kopfschütteln in Richtung Bühne blicken sehen – oder davon weggehen. Stimmlich war dem Metal God zwar nichts vorzuwerfen und auch die Songauswahl, ein gelungener Mix aus HALFORD-Solo-Sachen sowie JUDAS PRIEST-Klassikern war gut getroffen – aber die Performance wurde von vielen Besuchern wohl zu Recht als „die Enttäuschung des Festivals“ verbucht.

Sicherlich, daß wir alle in Balingen (ohne „h“) waren, wussten wir und hatten dies auch schon zigmal erzählt bekommen, ebenso wie die Tatsache, daß wir ein geiles Publikum waren – und schließlich waren wir ja auch zu einem Konzert gepilgert und nicht zu einer Debattierstunde. Aber wenigstens ein kleines „Hello“ zur Begrüßung oder ein „Bye“ zum Abschied hätte die Performance doch irgendwie „menschlicher“ erscheinen lassen.

Stattdessen gab’s einen Auftritt, der von Seiten Rob Halfords fernab des Publikums stattzufinden schien, während sich seine Mannen den Arsch abspielten. Die einzige Ausnahme fand während des letzten Songs „Electric Eye“ statt, als Rob einmal jede Bühnenseite sowie den Catwalk kurzfristig mit seiner Präsenz edelte.

Slayer

„Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt“ – so oder so ähnlich hätte man den Auftritt von SLAYER auf dem Bang Your Head Festival untertiteln können. Und tatsächlich – unter großem Jubel die Bühne betretend und gleich darauf hinter dem Schlagzeug verschwindend zeigte sich Dave Lombardo, den es nach zehn Jahren endlich wieder hinter das Drumkit von SLAYER verschlagen hat.

So bot denn auch die Songauswahl einen guten Querschnitt durch die gesamte Schaffensperiode der Band mit einem verständlichen Schwerpunkt in der Lombardo-Ära – nicht, daß dies einen der Anwesenden sonderlich gestört hätte, gelten die letzten SLAYER-Alben doch sowieso überwiegend als laues Lüftchen.

Einzig störend beim ansonsten guten Gig mitsamt geiler Lightshow waren die Pausen zwischen den Songs, die meist nach dem Schema „Licht aus, Pause, Spot an, Ansage“ verliefen und immer wieder einen Teil des Drives aus der Show nahmen. Das Set endete (wie früher) mit dem kontroversen „Angel Of Death“, bevor ein Feuerwerk das Ende des Bang Your Head 2002 einleitete.

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