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Gamma Ray 2005-06-24 Bildergalerie

Gamma Ray am 24. Juni 2005 beim Bang Your Head Festival in Balingen

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Konzerte

Knock Out Festival 2008-01-12

Wer auf den einfallsreichen Namen „Knock Out Festival“ kam, frage ich mich immer noch – klingt der Titel doch eher nach Flatrate-Party mit integrierter Boxveranstalung, denn nach einem metallischen Liederabend. Als zentrales Element der Veranstaltung hat man die sowieso gerade als „Hellish Rock“ durch die Lande ziehenden HELLOWEEN, GAMMA RAY und AXXIS eingeladen, diese mit den holländischen EPICA und WITHIN TEMPTAION umrahmt sowie mit PARADISE LOST aufgelockert, so daß ein interessantes und spannendes Festivalpackage herausgekommen ist – eine Tatsache, die wohl viele ähnlich sehen, denn die Halle ist doch recht ansehlich gefüllt.

Epica

Glücklicherweise kommen inzwischen auch einige Festivalveranstalter auf die Idee, EPICA für „normale“ Metalfestivals zu buchen statt nur für „Gothic-only“, ein Schritt, den man durch die, für einen in Deutschland eher (noch) unbekannten Opener, guten Publikumsreaktionen nur bestätigt sehen kann. War vor der Halle die Gerüchteküche schwer am brodeln, ob die Band auf Grund der Erkrankung von Simone Simons überhaupt auftritt oder nicht – manche hatten von der am Vortag veröffentlichten Blabbermouth-Meldung offensichtlich nur die Überschrift gelesen – ist spätestens bei Betreten der Halle klar, daß EPICA vor Ort sind: der bandeigene Merchandise-Stand lässt kaum einen Wunsch offen und bietet in etwa die gleiche Größe und Bandbreite wie der Gemeinschaftsstand von HELLOWEEN, GAMMA RAY und AXXIS.

Pünktlich um 17 Uhr stehen EPICA dann auf der Bühne und spielen in den zur Verfügung stehenden vierzig Minuten in etwa das gleiche Set wie schon auf der Herbsttour mit RIDE THE SKY und SONATA ARCTICA. Hauptunterschied dieser Tour zu den vorangegangenen Shows ist der nun wohl endgültig vollzogene Wechsel auf dem Drumhocker, den sich nach dem Ausstieg von Jeroen Simons die Aushilfsschlagwerker Ariën van Weesenbeek und Koen Herfst je nach Freizeit teilten – bereits im Dezember hatte sich Ariën van Weesenbeek für einen Fulltime-Job bei EPICA entschieden und war als festes Bandmitglied eingestiegen.

Die Songauswahl lässt manche Perle vermissen, fällt der Band aber auch sicherlich nicht leicht – denn wenn ein Großteil des Materials deutlich länger als die üblichen radiokompatiblen 3,5 Minuten ist, bleibt bei der begrenzten Spielzeit und drei superben Alben manch starker Track zwangsweise auf der Strecke. Das Wechselspiel zwischen dem Mezzosopran von Simone Simons und den Grunts und Screams von Mark Jansen macht den meisten Anwesenden durchaus Spaß, auch wenn Simone Simons angeschlagen wirkt – wenn sie auf der Bühne steht bangt und groovt sie zwar wie immer, nutzt aber fast jede Sangespause, um hinter der Bühne zu verschwinden. Trotzdem dürften sich EPICA an diesem Tag durch eine überzeugende Show einige neue Fans erspielt haben.

Axxis

Daß AXXIS inzwischen auch mit weiblichen Leadvocals operiern, hat sich bisher meiner Kenntnis entzogen und auch die offizielle Band-Homepage kann hier mangels FAQ die Wissenslücke nicht zur vollen Zufriedenheit füllen. Auf den letzen Studioalben war wohl eine Sängerin namens Lakonia involviert, die aber aus privaten Gründen für die „Hellish Rock“-Tour nicht zur Verfügung steht, weshalb Ana Mladinovici (im Hauptberuf Sängerin der rumänischen Band MAGICA) die weiblichen Gesangsparts übernimmt.

Ob dieser Wechsel nun eher gut oder schlecht für das Gesamtbild ist, kann mangels Vergleichsmöglichkeit nicht weiter erörtert werden – Fakt ist jedoch, daß der phasenweise weibliche Leadgesang die Musik von AXXIS um eine interessante Facette bereichert. Allerdings sollte man sich dringend eine sinnvolle Zwischenbeschäftigung für den eigentlichen Sänger Bernhard Weiß suchen, dessen optische Performance irgendwo auf dem schmalen Grat zwischen Hulk und dem Duracell-Hasen deutlich zu überdreht und deplaziert wirkt.

Gamma Ray

Bei GAMMA RAY wird es zum ersten Mal so richtig kuschelig in den vorderen Reihen und auch ansonsten scheinen schlagartig mehr Leute in der Halle zu sein als noch Minuten zuvor. Die glänzend aufgelegte Band rund um Ex-Kürbiskopf Kai Hansen dankt es den Fans denn auch und liefert, durchsetzt mit Songs aus den beiden „Land of the Free“-Alben eine Best-Of-Show ab, bei der auch mit „Ride The Sky“ ein Klassiker aus Kai Hansens Jugendjahren nicht fehlt.

Im Gegensatz zum eher durchwachsenen Bang Your Head-Auftritt 2005 stimmt heute einfach alles und sowohl Band als auch Publikum erleben begeisternde 50 Minuten, die für die meisten viel zu schnell zu Ende gehen und sicherlich das stimmugsmäßige Tageshighlight darstellen.

Paradise Lost

Daß es PARADISE LOST nach dem fulminaten Auftritt von GAMMA RAY schwer haben werden, ist klar – daß die Stimmung aber dermaßen ins bodenlose fällt, ist dann doch mehr als überraschend. Die Band wirkt lustlos und uninspiriert (vielleicht soll es auch nur cool wirken), so daß man sich unweigerlich fragen muß, warum ein Musiker sich selbst und auch den vor der Bühen stehenden zahlenden Gästen so etwas antut. Sicherlich kann und wird kein Musiker dieser Welt – egal, wer er ist – jeden Abend die Show seines Lebens spielen, aber zumindest sollte der Ansatz des Bemühens erkennbar sein. Bei diesem gelangweilten Gehabe bleibt nur die Schlußfolgerung, daß man PARADISE LOST wohl besser ausschließlich als Konserve konsumieren sollte.

Helloween

Ein Art Heimspiel haben die ursprünglich norddeutschen HELLOWEEN, denn am Mikro steht schließlich dem Badener (oder heißt das jetzt Badenser?) Andi Deris und auch der nicht mehr ganz so neue Schlagwerker Dani Löble (gebürtiger Schweizer, auch wenn’s schwäbisch klingt) hat mit RAWHEAD REXX einige Zeit im Land der Schwaben verbracht.

Im Bezug auf das Bühnenbild haben sich HELLOWEEN wohl eindeutig „nicht kleckern, sondern klotzen“ gesagt, denn was hier an „Gambling With The Devil“-Deko aufgefahren wird, ist beeindruckend. Im Gegensatz zum Bühnenbild ist die Setlist allerdings eindeutig von den Keepern I und II dominiert, eine Tatsache, die vor allem manchem Fan aus alten Tagen ein intensives Wechselbad der Gefühle beschert. Auf der einen Seite ist es zwar schön, eine quasi festivalkompatible Best-Of-Setlist präsentiert zu bekommen, auf der anderen Seite ist Andi Deris nun mal nicht Michael Kiske und „A Tale That Wasn’t Right“ tut zwar diesmal nicht so richtig weh, bleibt von einem Genuß aber immer noch meilenweit entfernt.

Appropos Genuß: warum die Band bei einer auf rund eine Stunde begrenzten Spielzeit unbedingt noch eine Comedy-Nummer ala „Die Schlümpfe als Vader Abraham verkleidet spielen ‚Smoke On The Water‘ und werden anschließend von Michael Weikath mit einem Spielzeuggewehr erschossen“ sowie ein fünfminütiges Schlagzeugsolo einbauen muß, entzieht sich meinem Verständnis – da sind mir ein oder zwei echte Songs deutlich lieber.

Helloween & Gamma Ray Jam Session

So schön die Idee eines gemeinsamen Jams von HELLOWEEN und GAMMA RAY auch ist – noch schöner wäre sie sicherlich als Überraschung verpackt, statt als bereits auf der Running Order als Zwischenspiel nach HELLOWEEN und mit einer Dauer von 15 Minuten angegeben zu werden.

Und noch viel viel schöner wäre die Jam Session, hätte man die Chance, HELLOWEEN mit Kai Hansen auf der Bühne stehen zu haben, dafür genutzt, nochmal richtig in der Mottenkiste zu kramen und was richtig altes auszugraben – so bleibt es bei weiteren Zitaten der „Keeper“-Ära, die sich Andi Deris und Kai Hansen am Mikro teilen, während ziemlich viele Musiker gleichzeitig über die Bühne wuseln.

Within Temptation

Warum ausgerechnet WITHIN TEMPTATION als Headliner fungieren, haben sich nicht nur viele jüngere Besucher (vornehmlich in Kürbis-Shirts gekleidet) gefragt – es ist schon durchaus auffällig, daß sich nach dem Ende des HELLOWEEN Gigs die Halle deutlich leert und nur noch maximal 2/3 der vorher Anwesenden zurückbleiben, um die Holländer um Sharon den Adel zu sehen. Passend zu EPICA haben auch WITHIN TEMPTATION mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen – in diesem Falle ist es Gitarrist Robert Westerholt, der sich seinen rechten Daumen derart gequetscht hat, daß er die komplette Januar-Tour zwangspausiert und die Band deshalb mit einem Mann weniger antritt.

Dies trübt den Gesamteindruck allerdings nur unwesentlich, denn die Band wirkt hochmotiviert und versucht, den fehlenden Mann so gut wie möglich zu ersetzen. Vor allem Sängerin Sharon den Adel fuchtelt auf orientalisch angehauchte Art und Weise, als wäre sie bei einem Tanzshow-Casting, liefert dabei aber eine einwandfreie Gesangsleistung. Musikalisch tritt leider im Laufe des Sets das Problem zu Tage, daß vor allem die neueren Stücke von WITHIN TEMPTATION zu ähnlich klingen, so daß sich zwar (fast) alles wie aus einem Guß anhört, der Zuhörer aber leider ohne allzu große Spannungsbögen auskommen muß.

Fazit

Das erste Knockout-Festival war 2008 sicherlich ein gelungener Einstand mit gelungener Bandauswahl und vielen Höhepunkten, auch wenn leider ein Totalausfall zu beklagen ist. Man darf gespannt sein, ob 2009 ein weiteres Festival nachgelegt wird und ob dieses das schon recht hohe Niveau halten kann.

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Bang Your Head 2005

U.D.O.

Wer U.D.O. bereits im Jahre 2003 erleben durfte, dem war klar, dass nun eines der Highlights die Bühnenbretter erklomm: schon damals war die Stimmung schlichtweg unglaublich und von den ersten Reihen bis weit hinter den FOH sah man alle Hände oben.

Auch die Show von U.D.O. 2005 wurde zum erwarteten Triumphzug für die Herren Dirkschneider, Kaufmann und Co, so dass man sich ernsthaft fragen muß, wer eigentlich die „nebenbei“ durchgeführte ACCEPT-Reunion tatsächlich gebraucht hat. Die Klassiker klangen deutlich tighter als beim wiederbelebten Original, die immense Spielfreude war der Band anzusehen (die im Gegensatz zu ACCEPT beim Rock Hard Festival auch wie eine Band wirkte) und auch die leider viel zu wenigen U.D.O.-Nummern krachten ohne Ende.

Gamma Ray

Daß es egal wer nach U.D.O. schwer haben wird, war klar – dass der Auftritt von GAMMA RAY sich allerdings zu einem solchen Flop entwickelte, übertraf dann doch die schlimmsten Befürchtungen.

Gleich zu Beginn fiel eine der Endstufen aus, so dass die Show schon wieder an Fahrt verlor, bevor sie überhaupt so richtig begonnen hatte. Doch statt wie die PRETTY MAIDS auf ihrer letzten Tour einfach einen Song (zur Begeisterung aller Anwesenden) quasi semi-accoustic zu intonieren, versuchte sich Frontmann Kai Hansen mit ein paar Ansagen und Sprüchen über die Zeit zu retten – ein Versuch, den er spätestens mit „Jetzt weiß ich auch nicht mehr, was ich noch sagen soll!?!“ selbst für gescheitert erklären musste.

Hinterher ging nur noch wenig und die Setlist – acht Songs (von denen einer gestrichen werden musste) für 55 Minuten tat ihr übriges. Vielleicht hätten ein paar knackige „kurz und gut“-Nummern noch was retten können, aber bei den Epen vom Kaliber eines „Rebellion In Dreamland“ war da nichts mehr zu machen – der Raußschmeißer „I Want Out“ traf wohl ziemlich genau ins Schwarze.

Saxon

SAXON stellten sich selbst ein Bein: während die Qualität der musikalischen Darbietungen wie üblich wieder nichts zu wünschen übrig lies, schien Frontman Biff Byford während der ersten Sethälfte mit aller Gewalt jegliche aufkommende Stimmung gleich wieder im Keim ersticken zu wollen. Zwischen jedem Song wurde eine ausgiebige Pause eingelegt, die mit Spielchen der Marke „Do you want an old song or a new one?“ bzw. „Do you want a slow song or a fast one?“ künstlich in die Länge gezogen wurde.

Erst in der zweiten Hälfte fand die Band zur Co-Headlinerform und bot dem Publikum endlich das, weshalb die meisten vor der Bühne standen: Musik satt – und der Stimmungspegel stieg rapide.

An der Setlist gab’s hingegen wenig zu meckern: von „747“ über „Solid Ball of Rock“ und „Crusader“ bis hin zu „Denim und Leather“ war alles vertreten, was auch der Gelegenheitshörer kannte und zum Mitfeiern animierte.

Motörhead

Während manche Bands Abend für Abend ihr Programm so identisch herunterspulen, dass man Bootlegs nur schwer einem bestimmten Tag zuordnen kann, werden Mitschnitte vom MOTÖRHEAD-Auftritt auf dem Bang Your Head 2005 problemlos zu identifizieren sein: reklamiert Lemmy nach jedem Song die Einstellungen seiner Monitorboxen oder nicht? Wenn er’s tut, ist es definitiv Balingen 2005. So kämpften er und die Monitormischer mit einem „Ganz oder gar nicht“-Problem, das auch bis zum Ende des Gigs nicht behoben werden konnte.

Eine große Show gab’s wie erwartet weniger, denn wenn 1/3 der Musiker am Schlagzeug sitzt und 1/3 am Mikro steht bleibt nur noch einer, der sich bewegen kann – aber Lemmys Präsenz ist eigentlich schon Show genug. Schon die übliche, kurz-prägnanten Einleitung „We’re Motörhead and we play rock’n’roll“ deutete an, wo’s langgeht: eine solide Show, die aus altbekannten Songs sowie einigen wenigen Überraschungen bestand und schließlich mit einem ausgedehnten „Overkill“ beendet wurde.

Zwischenspiel: Night Of The Demon

DEMON hatten für’s Bang Your Head 2005 wahrlich keine Kosten und Mühen in Sachen „Special Effects“ gescheut und so begann die „Night Of The Demon“ schon kurz nachdem MOTÖRHEAD die Bühne verlassen hatten: kurz nach 1 Uhr Ortszeit öffnete der Himmel seine Pforten und ergoss rund um das Festivalgelände rund 40 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, so dass nicht nur Luftmatratzen auf den Campingplätzen zu Schauchbooten zwangsrekrutiert wurden, die begleitenden Sturmböen hätten auch jedem Abrißkommando durchaus zur Ehre gereicht. Hierbei wurde auch ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bühne und Technik komplett durchnässt.

Dank des unermüdlichen Einsatzes von sowohl THW und DRK auf der einen, sowie Stagecrew auf der anderen Seite konnten die Camper zum Teil in Notquartieren den Rest der Nacht verbringen und das Festival mit einer nur dreistündigen Verspätung doch noch die Pforten öffnen. Da es in Balingen allerdings eine strikte Curfew gibt, musste ein Notfallplan erstellt werden, der für fast jede Band Kürzungen von rund 15-25 Minuten bedeutete.

Demon

Als erste Band des Tages trafen diese Kürzungen vor allem DEMON recht hart. Die Band hatte ein extra-langes Set einstudiert und wollte Gerüchten zu Folge nach Möglichkeit eine halbe Stunde vor der offiziellen Startzeit die Bretter betreten, um eine volle Stunde lang spielen zu können. Stattdessen blieben nach Inkrafttreten von „Plan B“ gerade noch 15 Minuten Spielzeit übrig.

Obwohl DEMON wohl ziemlich enttäuscht gewesen sein müssen merkte man ihnen nichts an und die Band bot den zahlreich vor der Bühne erschienenen Zuhörern mit „Night Of The Demon“ und „Don’t Break The Circle“ zwei Klassiker, die vom Neuling „Standing on the edge“ getrennt wurden.

Bleibt zu hoffen, dass die Band vielleicht nächstes Jahr noch mal mit ausgiebiger Spielzeit antreten darf.

Nevermore

NEVERMORE hatten 2002 schon für Party pur gesorgt, als sich zum Ende des Gigs deutlich mehr Fans als Musiker auf der Bühne befanden, so dass man auch für 2005 wieder auf eine interessante und energiegeladene Performance hoffen durfte.

Die Band enttäuschte ihre zahlreich erschienenen Anhänger und Interessenten auch nicht und lieferte vom Einstieg „Enemies Of Reality“ bis zum ultraschrägen „Sounds Of Silence“-Cover eine solide Show ohne besondere Tief- oder Höhepunkte.

Dio

Den Preis für die außergewöhnlichste Setlist dürfte dieses Jahr an Ronnie James Dio und Band gehen, die stellenweise extrem tief in der Mottenkiste gewühlt und einige selten gespielte Perlen hervorgekramt hatten. Der Set begann mit „Killing The Dragon“ als einzig aktuellem Song und lieferte anschließend mit „Egypt (The chains are on)“ gleich die erste Überraschung. Neben den muß-einfach-sein-Songs „Holy Diver“ und „Rainbow In The Dark“ gab es an DIO-Material nur noch „Sunset Superman“, während der Rest der Setlist aus alten Rainbow-Zeiten („Man On The Silver Mountain“, „Long Live Rock’n’Roll“, „Gates Of Babylon“) sowie einer überragenden „Heaven and Hell“-Interpretation gekührt wurde.

Die Band zeigte sich in bester Spiellaune und gegenüber dem Auftritt 2003 fiel vor allem der deutlich gesünder aussehende und agiler wirkende Jimmy Bain-Ersatz Rudy Sarzo positiv auf. Warum allerdings rund 10 Minuten der Spielzeit auf Drum- und Gitarrensolo verwendet wurden, wird auf ewig ein Rätsel der Band bleiben – den meisten Festivalbesuchern wären wohl ein oder zwei weitere Songs lieber gewesen. Trotzdem waren DIO wohl die Band des Samstags und zumindest ich hätte TWISTED SISTER gerne gegen eine Verlängerung eingetauscht.

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Bang Your Head 2002

Rhapsody

RHAPSODY sind eine Band, die (zumindest aus ihrer Selbstsicht) zu einem gewissen Teil nicht nur von der Musik sondern auch von deren optischer Präsentation lebt. Und so wurde denn auch ein Teil der sowieso schon knappen Spielzeit mit dem Auf- bzw. Abbau von Dekoelementen verschwendet, die nur leider um 12 Uhr Mittags ihre Wirkung total verfehlten.

Bonfire

Welch Kontrast zu BONFIRE, die musikalisch zwar ok aber auch nicht ansatzweise die leider ausgefallenen SYMPHONY-X ersetzen konnten. Was will man auch von einer Band erwarten, deren Sänger verkündet, er möchte auf lange Ansagen verzichten, dann eine politische Rede beginnend mit „Vor 60 Jahren …“ hält – nur um kurz drauf im Südstaatenjäckchen und mit Deutschlandfahne zu „Proud Of My Country“ über die Bühne zu rennen?!? History will teach us nothing, oder was?

Gamma Ray

Auf GAMMA RAY hatte ich mich schon tierisch gefreut, gehörten doch HELLOWEEN mit Kai Hansen zu meinem Einstiegsdrogensortiment in die Welt des Rock & Metal. Und so wurde ich auch nicht enttäuscht – ein Set das zum Großteil aus einem guten Mix der GAMMA RAY-Scheiben bestand wurde mit „Ride The Sky“ eingeläutet. Da fühlt man sich gleich wieder 10 Jahre jünger!

Fozzy

Irgendwie bin ich mir auch jetzt, ein paar Tage nach Ende des Festivals noch immer nicht sicher, was ich von dem Auftritt von FOZZY halten soll. Sicherlich als witzige Party-Einlage gedacht, ging der Scherz des Auftritts leider total an mir vorbei. Zwar war die Band nicht unbedingt schlecht, was aber eine fast reine Cover-Combo (einen Song des demnächst erscheindenden Erstlings „Happenstance“ gab’s zumindest zu hören) an einer solchen Position im Billing zu suchen hat, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Von „einer beeindruckenden Show, die größten Unterhaltungswert verspricht“ (Originalzitat Vorankündigung) kam bei mir jedenfalls bis auf einen Song nichts an. Und auch hier wage ich zu bezweifeln, daß dies an der Band lag – Hauptschuldiger war wohl mehr ACCEPTs „Balls To The Wall“ mit seinem giffigen Mitgröhl-Refrain. Schade, aber die Band hätte wohl besser Nachts ins Partyzelt zum Reanimieren von Alkoholleichen gepaßt. Da kann man nur sagen: Schuster, bleib bei Deinen Leisten bzw. Chris, bleib bei Deinen Wrestlern!

Nightwish

Zu NIGHTWISH kann ich nicht viel sagen – außer, daß ich irgendwie nichts dazu sagen kann. Nachdem ich die Sangeskunst von Frontfrau Tarja Turunen ja schon bei Beto Vazquez „Infinity“ zu schätzen gelernt hatte, war ich doch sehr gespannt auf das Material der eigenen Band.

Doch leider wich die Spannung immer mehr einer Leere, ohne daß ich so recht festmachen konnte, woran es lag. An der Band wohl weniger, denn die wurde von den Umstehenden abgefeiert. Ich gehe einfach mal davon aus, daß man mit dem Songmaterial zumindest etwas vertraut sein muß, um ein NIGHTWISH Set genießen zu können – ich zumindest konnte meist keinen nennenswerten Unterschied zwischen den einzelnen Songs erkennen – bis auf die Zugabe „Over The Hills“ von GARY MOORE, das sich sowohl von seiner Originalversion als auch von Rest der NIGHTWISH Songs deutlich unterschied.

Saxon

Zu kaum einer Band habe ich so ein gespaltenes Studio/Live-Verhältnis wie zu SAXON. Ich habe noch kein Studioalbum der Band finden können, das mich auch nur ansatzweise begeistert hat und auch die „Best Of“ darf nur recht selten ihre Runden in meinem CD-Player drehen – auf der anderen Seite schaffen sie es live aber jedesmal, mich in ihren Bann zu ziehen. Und so war es auch diesmal wieder.

SAXON boten ein Set, das hauptsächlich aus älterem Material bestand und in das ab und zu auch mal ein Song neueren Datums eingebettet wurde – die Band war sich durchaus klar, was die meisten Anwesenden hören wollten. Und so war denn auch Biff’s Frage „Wollt ihr lieber was neues oder was altes hören“ mehr rhetorischer Natur als wirklich ernst gemeint.

Überhaupt war die Stimmung während des Gigs sehr gut, Biff scherzte mit dem Publikum (er sagte mehrmals „Crusader“ an, nur um anschließend gleich ein „kommt später“ dranzuhängen), bedankte sich bei den Veranstaltern für die schöne Bühne(!) und als bei „The Eagle Has Landed“ dann tatsächlich der Strahleadler von der Bühendecke schwebte und bei Crusader zwei Rittersleut‘, die als „Bruce Dickinson and Lemmy Kilminster“ vorgestellt wurden, die Bühne betraten war wohl auch dem letzten Klar, daß SAXON ein würdiger Headliner für diesen Freitag waren.

Tankard

Recht spaßig legten TANKARD am nächsten Tag los – passend zur noch recht frühen Uhrzeit komplett in Schlafanzügen. Die Performance war allerdings alles andere als schläfrig, es gab ein buntgemischetes Programm aus zwanzig Jahren Bandgeschichte, in dem auch die absoluten Tophits wie „Empty Tankard“ nicht fehlten. Und wer sich wunderte, warum denn die Band im Jubiläumsjahr schon so früh ran musste, bekam von Sänger Gerre auch gleich die passende Erklärung geliefert: „Eigentlich sollten wir ja um 20 Uhr spielen – aber da sind wir schon viel zu voll!“ Na denn Prost!

Vanden Plas

Anschließend ging es musikalisch in eine komplett andere Richtung – nach der obligatorischen Umbaupause betrat die einzige Progressivmetal-Combo des Festivals VANDEN PLAS die Bühne. Sicherlich waren die Reihen nach dem TANKARD-Gig wieder etwas lichter, aber VANDEN PLAS legten gekonnt los und wussten die Anwesenden trotz ihres nicht unbedingt Festival-kompatiblen da komplexen Songmaterials zu überzeugen. Schade eigentlich nur, daß sich die Band (wie so manch andere an diesen beiden Tagen) zu sehr auf das Material des aktuellen Albums konzentrierte und dabei Kracher wie „Inside Of Your Head“ übergangen wurden.

Nichtsdestotrotz setzte „Rainmaker“ einen glücklicherweise vom Wettergott nicht erhörten furiosen Schlußpunkt ans Ende des Auftritts, mit dem sich VANDEN PLAS hoffentlich eine Reihe neuer Fans erspielen konnten.

Nevermore

Als Partyband des Festivals 2002 werden wohl Nevermore in die Geschichtsbücher eingehen, waren doch gegen Ende des Gigs mehr Fans auf der Bühne zu finden als Musiker. Die durften denn auch (sofern sie vor lauter Glückseeligkeit überhaupt mitbekamen, daß ihnen ein Mikro vor die Nase gehalten wurde) bei vorhandenenr Textkenntnis ein paar Worte singen bzw. schreien, bevor es mit mehr oder (meist) weniger gekonntem Sprung zurück ins Publikum ging.

Die Songauswahl konzentrierte sich leider auf die NEVERMORE-Alben, die viel geforderten SANCTUARY-Rufe wurden leider überhört.

Doro

Nachdem MAGNUM leider krankheitsbedingt eine Woche vor dem Festival ausfielen, erklärte sich DORO spontan bereit, die entstandene Lücke zu füllen. Und im Gegensatz zum recht unglücklich gewählten Ersatz für SYMPHONY-X passte DORO recht gut als Lückenbüßer. Daß die Dame schon etwas länger im Geschäft ist und zumal das Gelegenheitspublikum eines solchen Festivals besser einzuschätzen weiß merkte man schnell, so bekamen wir statt vielen Songs aus DOROs Solokarriere hauptsächlich Material vom allseits bekannten „Triumph And Agony“-Album zu hören.

Einzige Auffälligkeit (neben Doro Peschs Schnürdress) war das Gepose des Bassisten, das überhaupt nicht so recht zur Show passen wollte und eher irgendwo bei MÖTLEY CRÜE oder POISON gut aufgehoben wäre.

Halford

„Was ist denn bloß mit Halford los?“ war wohl DIE Frage des zweiten Tages und ich habe selten bei einem Gig so viele Leute kopfschütteln in Richtung Bühne blicken sehen – oder davon weggehen. Stimmlich war dem Metal God zwar nichts vorzuwerfen und auch die Songauswahl, ein gelungener Mix aus HALFORD-Solo-Sachen sowie JUDAS PRIEST-Klassikern war gut getroffen – aber die Performance wurde von vielen Besuchern wohl zu Recht als „die Enttäuschung des Festivals“ verbucht.

Sicherlich, daß wir alle in Balingen (ohne „h“) waren, wussten wir und hatten dies auch schon zigmal erzählt bekommen, ebenso wie die Tatsache, daß wir ein geiles Publikum waren – und schließlich waren wir ja auch zu einem Konzert gepilgert und nicht zu einer Debattierstunde. Aber wenigstens ein kleines „Hello“ zur Begrüßung oder ein „Bye“ zum Abschied hätte die Performance doch irgendwie „menschlicher“ erscheinen lassen.

Stattdessen gab’s einen Auftritt, der von Seiten Rob Halfords fernab des Publikums stattzufinden schien, während sich seine Mannen den Arsch abspielten. Die einzige Ausnahme fand während des letzten Songs „Electric Eye“ statt, als Rob einmal jede Bühnenseite sowie den Catwalk kurzfristig mit seiner Präsenz edelte.

Slayer

„Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt“ – so oder so ähnlich hätte man den Auftritt von SLAYER auf dem Bang Your Head Festival untertiteln können. Und tatsächlich – unter großem Jubel die Bühne betretend und gleich darauf hinter dem Schlagzeug verschwindend zeigte sich Dave Lombardo, den es nach zehn Jahren endlich wieder hinter das Drumkit von SLAYER verschlagen hat.

So bot denn auch die Songauswahl einen guten Querschnitt durch die gesamte Schaffensperiode der Band mit einem verständlichen Schwerpunkt in der Lombardo-Ära – nicht, daß dies einen der Anwesenden sonderlich gestört hätte, gelten die letzten SLAYER-Alben doch sowieso überwiegend als laues Lüftchen.

Einzig störend beim ansonsten guten Gig mitsamt geiler Lightshow waren die Pausen zwischen den Songs, die meist nach dem Schema „Licht aus, Pause, Spot an, Ansage“ verliefen und immer wieder einen Teil des Drives aus der Show nahmen. Das Set endete (wie früher) mit dem kontroversen „Angel Of Death“, bevor ein Feuerwerk das Ende des Bang Your Head 2002 einleitete.