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IMHO

Entscheidungsfindung in der Politik

Was oftmals bei der ganzen (teilweise berechtigten) Kritik an den Entscheidungsträgern im Rahmen der Corona-Pandemie vergessen wird: Entscheidungen in einer neuartigen und unbekannten Lage zu treffen ist nicht einfach und gibt es nur selten ein „richtig“ oder „falsch“ sondern meist nur ein „Hinterher wissen wir, ob die Entscheidung gut war – oder eben nicht!“. Trotzdem ist es wichtig, Entscheidungen vorbereiten und zu treffen, denn nichts zu tun ist oft die schlechteste Alternative.

Vollkommen unverständlich ist mir deshalb die Geschwindigkeit, in der sich Entscheidungsfindungsprozesse teilweise nicht bewegen. Ein mehr als erschreckendes Beispiel findet sich auf der „offiziellen Corona-Seite“ der Landesregierung Rheinland-Pfalz. Dort wird Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit folgender Aussage zitiert:

Die Zahl der Corona-Erkrankten in unseren Krankenhäusern steigt weiter an. Das ist für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen eine große Herausforderung. Gleichzeitig beobachten wir, dass es in Krankenhäusern zu Ansteckungen kommt. Das müssen wir verhindern. Deswegen werde ich die Geschäftsführungen der Krankenhäuser zu Gesprächen einladen. Mein Ziel ist, Strategien zu entwickeln, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. [Quelle]

Der Gedanke ist gut und richtig, das Problem ist der Zeitpunkt:

Leider ist dies kein Zitat aus dem März oder April 2020, als ein Plan über Sommer hätte entwickelt und umgesetzt werden können, um für den Herbst gerüstet zu sein.

Der Beitrag trägt das Datum „25.11.2020 | Bund-Länder-Beratungen über Corona-Strategie“ – mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen.

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Betriebssysteme

Samsung Galaxy Tab S5e entrümpeln

Ist man Dank Lineage OS eine recht schlanke Betriebssystem-Installation gewöhnt, wird einem beim ersten Start eines Samsung-Geräts nicht nur leicht schwindelig: nicht nur Google hätte gerne Kontoinformationen, man soll am besten auch gleich ein Samsung-Konto einrichten und am dann auch gleich alle weiteren Apps im Samsung eigenen Galaxy-Store kaufen.

Viele andere Apps nerven und buhlen um Aufmerksamkeit (vom Hunger auf Daten ganz zu schweigen) und so drängt sich recht schnell der Wunsch auf, etwas für Ordnung zu sorgen.

Als erste Entrümplungsmaßnahme hilft überraschenderweise das Zurücksetzen auf  Werkseinstellungen, denn nach diesem ist bereits ein Teil der Zusatzsoftware verschwunden.

Ein breites Schmunzeln kommt dann bei der zwangsweisen Nachinstallation von Apps während des Neustarts: während man die Samsung-Apps alle (sogar auf einmal) abwählen darf, besteht bei den Google-eigenen Apps diese Möglichkeit nicht.

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Hardware

Spontane Neustarts beim Samsung Galaxy Tab S2

Das Samsung Galaxy Tab S2 ist auch 4 Jahre nach Erscheinen noch ein tolles Gerät: 9,7 Zoll Super-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2048 × 1536 Pixel, 3 GB Hauptspeicher und eine Qualcomm Snapdragon 652 als CPU – und das alles bei einem Gesamtgewicht von 389 g.

Leider hat die Tatsache, daß Samung mit dem Galaxy Tab S2 eines der leichtesten und dünnsten Tablets bauen wollte einen gravierenden Nachteil: mit zunehmendem Alter fängt das Tablet vor allem bei verminderter Akku-Ladung an, im laufenden Betrieb neu zu starten.

Das Problem scheint im Zusammenspiel zwischen Akku und CPU zu liegen und verschiedene Beiträge auf XDA (s.o.) berichten, daß die Geräte auch nach einer erfolgreichen Reparatur meist nach kurzer Zeit wieder ein ähnliches Fehlerbild zeigen.

Als brauchbarer Weg zur Verhinderung der Neustarts hat sich eine Limitierung der Taktfrequenz erwiesen: mit einer App wie SmartPack-Kernel Manager (Google Play) oder Kernel Adiutor (F-Droid) werden die CPU-Parameter so gesetzt, daß die „großen Kerne“ nicht mehr bis höchstmöglichen Taktfrequenz von 1804800 getaktet werden, sondern bereits bei einem niedrigeren Wert Schluß ist.

Da zum Setzen der CPU-Frequenz zwangsweise root-Rechte erforderlich sind, kann mit Hilfe von Magisk auch komplett auf eine App verzichtet und stattdessen ein Boot Script im Verzeichnis „/data/adb/service.d“ verwendet werden:

#!/system/bin/sh
# 2020-09-07 athul/initial

echo '4:1382400' > /sys/module/msm_performance/parameters/cpu_max_freq
echo '5:1382400' > /sys/module/msm_performance/parameters/cpu_max_freq
echo '6:1382400' > /sys/module/msm_performance/parameters/cpu_max_freq
echo '7:1382400' > /sys/module/msm_performance/parameters/cpu_max_freq

echo '1' > /sys/devices/system/cpu/cpu4/online
echo '1382400' > /sys/devices/system/cpu/cpu4/cpufreq/scaling_max_freq

echo '1' > /sys/devices/system/cpu/cpu5/online
echo '1382400' > /sys/devices/system/cpu/cpu5/cpufreq/scaling_max_freq

echo '1' > /sys/devices/system/cpu/cpu6/online
echo '1382400' > /sys/devices/system/cpu/cpu6/cpufreq/scaling_max_freq

echo '1' > /sys/devices/system/cpu/cpu7/online
echo '1382400' > /sys/devices/system/cpu/cpu7/cpufreq/scaling_max_freq

Der Erfolg kann (zu Testzwecken) ebenfalls mit Hilfe eines weiteren Skripts überprüft werden:

#!/system/bin/sh
# 2020-09-07 athul/initial

echo "available frequencies:"
cat /sys/devices/system/cpu/cpu4/cpufreq/scaling_available_frequencies

echo "scaling_max_freq:"
cat /sys/devices/system/cpu/cpu4/cpufreq/scaling_max_freq
cat /sys/devices/system/cpu/cpu5/cpufreq/scaling_max_freq
cat /sys/devices/system/cpu/cpu6/cpufreq/scaling_max_freq
cat /sys/devices/system/cpu/cpu7/cpufreq/scaling_max_freq

echo "cpu_max_freq"
cat /sys/module/msm_performance/parameters/cpu_max_freq

echo "scaling_available_governors"
cat /sys/devices/system/cpu/cpu4/cpufreq/scaling_available_governors

Das Skript zeigt, daß die gesetzten Werten übernommen wurden:

available frequencies:
400000 883200 940800 998400 1056000 1113600 1190400 1248000 1305600 1382400 1612800 1747200 1804800 
scaling_max_freq:
1382400
1382400
cpu_max_freq
0:4294967295 1:4294967295 2:4294967295 3:4294967295 4:1382400 5:1382400 6:1382400 7:1382400

scaling_available_governors
interactive ondemand userspace powersave performance

Sofern die Werte für einige Kerne nicht angzeigt werden, liegt dies daran, daß diese aktuell zwecks Strom sparen abgeschaltet sind.

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CDs

Rick Wakeman – The Red Planet

Nachdem Rick Wakeman in den letzten Jahren bereits mit den erweiterten Neuauflagen von „Journey to the Centre of the Earth“ sowie „The Myths and Legends of King Arthur and The Knights of the Round Table“ einen Schritt vom New Age zurück zum Prog-Rock und seinen eigenen Frühwerken gemacht hat, folgt mit „The Red Planet“ sein (lt. Wikipedia) 94. Soloalbum.

Die Aufmachung des Albums ist herrlich retro und das Gatefold-Popup-Cover der Erstauflage kann problemlos mit Veröffentlichungen aus der „guten alten Zeit“ mithalten. Dazu passen auch die inneren Werte im Booklet, welche eine Übersicht über die einzelnen Mars-Missionen, Satelliten und Landungsfahrzeuge enthalten. Alles in allem eine gute Einstimmung auf das Album und das damit verbundene Thema:

Inspired by Mars and the secrets it holds for us. Dedicated to all who would like to go to Mars and especially to those who are convinced that they have already been there.

Musikalisch nähert sich „The Red Planet“, vor allem mit dem Verzicht auf jegliche Vocals, Werken wie „The Six Wives of Henry VIII“. Ähnlich wie seinerzeit die verschiedenen Frauen von Heinrich VIII. werden verschiedene Landschaften der Marsoberfläche vertont und musikalisch beschrieben. Wie gut oder schlecht dies funktioniert hängt, analog zu den breits erwähnten Ehefrauen, nicht unerheblich von der Phantasie des Hörers ab.

Als unglücklich entpuppt sich die Reihenfolge der Songs: der Opener „Ascraeus Mons“ stimmt mit Kichenorgel, Gitarrensolo und typischen Wakeman-Aaaaaaaahhhhh-Chören auf ein rockiges Unterfangen ein, ein Versprechen, welches die folgenden Songs nur bedingt halten können. Hier wäre es vermutlich sinnvoller gewesen, „Ascraeus Mons“ als letzte Nummer am Ende eines Spannungsbogens zu plazieren.

„The Red Planet“ ist ein typisches Wakeman-Album, welches sich auf die bekannten Trademarks verlässt und keine großen Risiken wagt. Dies wird Rick Wakeman sicherlich weder neue Fans noch einen Innovationspreis einbringen, aber den vorhandenen Fans durchaus gute Unterhaltung für das investierte Geld bieten.

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Verschiedenes

To boot or not to boot?!?

Wer kann sich nicht noch an Omas Spruch „Früher war alles besser“ erinnern?

Mir jedenfalls ging’s so, während ich im siebten Teil von Stefans ACCEPT Doku-Soap schmökerte, in der sich fast alles um das Thema „Bootleg“ dreht.

War früher (da ist es wieder das Wort!) noch jede Menge Equipment, Know-How und auch eine fundierte Magazin-Sammlung notwendig, um einen Bootleg unters Volk zu bringen, haben inzwischen MP3, Audio-CD-Brenner und auch PCs Einzug in die Wohnzimmer der Bootlegger gehalten.

Audiofiles werden komprimiert, ungeachtet der Tatsache, daß von der teilweise sowieso schon recht dürftigen Qualität dabei ein Teil weggerechnet wird und am Anfang jedes Songs (durch das Kodierungsverfahren) eine kurze Pause entsteht, nur um noch ein paar Megabyte zusätzlich ins digitale Regal kopieren zu können.

Eine vielleicht noch „originale“ CD wird auf dem Weg durch die Stereoanlage analogisiert, nur um anschließend im Audiobrenner wieder zwecks Aufzeichnung in digitale Signale verwandelt zu werden – und dabei kommt der dazwischengehängte Equalizer zur Aufmotzung gemäß des eigenen subjektiven Hörempfindens gerade recht.

Für das Cover muß man keine Stapel von Metal Hammer, Rock Hard oder Heavy oder Was?-Ausgaben mehr durchblättern, geeignete Bilder finden und gegebenenfalls noch retuschieren – schnell ins Internet eingewählt, eine Suchmaschine befragt und schon ist ein briefmarkengroßes Bild gefunden, daß auf die richtigen Maße verzerrt vom Tintenspritzer schon halbwegs passabel ausgegeben werden wird.

Mit etwas Glück gibt es in dem PC ja auch einen CD-ROM-Brenner, so daß eine digitale 1:1 Kopie erstellt werden kann – doch auch hier ist zumindest mal ein Grundverständnis von Begriffen wie „Disc At Once“ Voraussetzung.

Eine Limitierung passiert mehr oder minder ungewollt automatisch – schließlich entstehen auf obigem Weg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur Unikate.

Anschließend wird das Werk dann entweder ins Regal gestellt oder auf dem nächsten Flohmarkt, einer Plattenbörse oder viel moderner gleich bei eBay an den Nächstdoofen verhökert.

Früher war vielleicht nicht alles, aber zumindest manches besser. In diesem Sinne wünsche ich mir einen Reboot – in der Hoffnung, daß hinterher alles besser ist.

2003 für das Underground Empire geschrieben, aber dort nie veröffentlicht.