What a surprise!
Als ich die ersten Songs hörte, wusste ich wirklich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Die ehemalige Nightwish-Sängerin und ein (mir bis heute unbekannter) wohl großer Name im weiten Beritt der sog. EDM bis Chillout-Musik. Zuerst war ich ein wenig an die Musik von Leuten wie Armin Van Buuren oder José Padilla bis Café del Mar (Ibiza-Chillout) erinnert. Es gab da mal eine Zeit, in der ich solche Sachen durchaus gerne hörte, obwohl es sicherlich in der Masse dieser Musik ziemlich viel Schrott gab und gibt.
Als ich dann aber die sog. Gästeliste las und dort Namen von Al Di Meola bis Marty Friedman oder auch Trevor Rabin auftauchten, wurde ich etwas hellhöriger und dachte mir: diese Jungs geben sich sicherlich nicht für irgendwelchen Mist her.
Und jetzt, nach etlichen Turns muss ich einfach sagen: dieses Projekt funktioniert, jedenfalls für meine Ohren. Man hört ohne Zweifel die famose Gitarrenarbeit von Al Di Meola heraus, die berühmten Flitzefinger auf der Akustischen, die er auch im gesetzteren Alter noch drauf hat.
Und die Stimme von Tarja Turunen passt, vor allem auch deshalb, weil sie sich in Sachen Bombaststimme angenehm zurückhält. Und obwohl das Album mehr als 80 Minuten aufweist, kommt bei mir zumindest zu keiner Zeit sowas wie Langeweile oder ein leicht nervöser Skip-Reflex aus, im Gegenteil.
Okay, sowas muss man nicht mögen, aber ich fand eine Stelle auf einer Internet-Seite, auf der man fragte: “ist das jetzt (musikalisch) ein sonniger Tag am Meer oder ein Tag im Fahrstuhl?”. Ich bleibe beim sonnigen Meer und höre entspannt-sphärische Klänge und Beats, tolle Gitarren und eine gechillte Tarja Turunen.
Elida Almeida wird recht oft als “legitime” Nachfolgerin der von mir sehr verehrten Cesária Évora, der “Königin der Kapverden und des Morna” verstanden. Ein Vergleich, der jedoch ein ganz klein wenig hinkt, denn trotz aller Qualitäten der Frau und des Albums aus 2023 braucht sie noch ein wenig, um in die wirklich großen Fußstapfen der in 2011 verstorbenen Großmeisterin zu treten.
Amanda Marshall? Da war doch mal was, irgendwann vor langer langer Zeit. Die etwas älteren Leute werden sich noch erinnern können: Mitte der 1990er Jahre mischte eine junge Kanadierin mit rockigen Pop-Songs (“Let It Rain” / “Birmingham”) die Pop-Welt auf. Mit markanten Songs und markanter Stimme. Und genau diese markante Stimme macht das neue Album (nach gut 20 Jahren) nach wenigen Augenblicken schon im Opener klar erkennbar. Zumindest für die Leute, die eben Miss Marshall noch gut kennen.
Noch so ein Power-Metal-Ding, eigentlich gibt es ja schon recht viele (manche würden sagen: genug) davon.
Shemekia Copeland, in unseren Breiten so gut wie unbekannt, in den USA ist sie auf bestem Wege, eine der ganz großen Hausnummern im Blues zu werden. Sie steht mittlerweile nach meiner Ansicht z.B. einer Koko Taylor in Nichts nach und hat bereits mit Genre-Größen wie B.B. King oder Dr. John gearbeitet, dazu kommen einige renommierte Awards im Blues-Bereich. Und ist übrigens die Tochter des großen Johnny Copeland.