Autor: Klaus Seiler

Whiskey Myers - Tornillo

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Für die, welche den Namen noch nie hörten: WHISKEY MYERS ist eine Mischung aus Southern Rock, Americana und Country. Dazu eine kleine Prise Soul und Blues, also eine ziemlich bunte Mischung. Sie stammen (da muss man schon ein wenig lächeln) aus dem Örtchen Palästina (Palestine) in Texas USA.

Im Opener “Tornillo” ertönt erst einmal stilecht eine Mariacchi-Trompete als Intro, danach geht’s mit dem bezeichnenden Song “John Wayne” southernrockig in die Vollen, inklusive prägnanter Harp und ordentlich Gitarrenschmackes. “Antioch” bluest danach so richtig schön erdig-schwer, erinnert ein wenig an ZZ TOP, allerdings mit etwas angezogener Handbremse. Dieser leicht verschleppte Blues tut dem Song allerdings wirklich gut, es muss nicht immer Uptempo sein. “Feets” im Anschluss kommt als astreiner “Roggnroller” daher, macht Spass und lässt die Füße wippen. Mit “For The Kids” darf dann auch noch eine lockere Country-Ballade nicht fehlen, passt gut.

Insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Album, welches immer wieder ein paar kleine Glanzlichter setzt und nie auf der Stelle tritt.


Klaus Seilers Album-Highlights 2022

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Meine Album-Highlights des Jahres 2022:

Rokia Koné & Jacknife Lee - Bamanan

Dieses Album habe ich zu meiner Nr. 1 für dieses Jahr gekürt. The Rhytms of Mali, sehr cool produziert und dennoch hat es diesen gewissen Roots-Touch. Das für mich perfekte Afro-Album.

Dare - Road To Eden

Mehr und besserer Melodic-Rock in epischem Breitwand-Sound geht wohl kaum. Kommt vielleicht nicht so ganz an die frühen Meilensteine heran, ist aber immer noch DARE pur. Gerne noch ein solches Werk.

Shemekia Copeland - Done Come Too Far

Diese Lady ist eine Blues- und Soulrakete, Energie pur. Und weil das so ist, bekommt sie bei mir (knapp, aber immerhin) den Vorzug vor Buddy Guy mit “The Blues Don’t Lie”.

Whiskey Myers - Tornillo

Das zweite Rockalbum der Marke “Kick Ass” muss natürlich in meine Top 10, ein anderes war SUCKERPUNCH “Red Neck Gasoline”. Auch hier war das Glas Whiskey um einen Millimeter voller. Mit einem Touch mehr “Bandbreite” im Abgang.

Aoife O’Donovan - Age of Apathy

Zugegeben, die Frau schaut auf dem Cover durchaus ein wenig apathisch aus. Aber das täuscht. Streiche Apathie, setze Entschleunigung. Traumhafte Singer-Songwriter-Musik mit etlichen feinen Schlenkern und Wendungen und einer tollen Stimme.

Charley Crockett - The Man From Waco

Man schaue sich das Cover an und braucht kaum noch Worte zu verlieren. Mehr Country & Western geht nicht. Aber wenn schon, dann so oldschool, daß Bilder aus den glorreichen Zeiten der US-Western aus den 1950ern auftauchen. Dazu kommt diese herrlich prägnante Bariton-Stimme. Normalerweise ist das nicht unbedingt mein Genre, aber in diesem Falle finde ich es absolut cool. Wer mag, darf es auch gerne äußerst klischeehaft finden, wäre mir dann aber ziemlich schnuppe.

M!R!M - Time Traitor

Synth-Pop für Großstadt-Cowboys. Also für Leute, die sich spät nach Mitternacht aus hippen Neonglanz-Clubs auf den Weg ins heimische Loft machen. So gut sind die 80er schon lange nicht mehr auferstanden.

Goodbye June - See Where The Night Goes

AC/DC trifft Led Zep mit lockerem Flower-Power-Vintage-Flair. Und entgegen meinen ersten Erwartungen ist das Album kein Abklatsch, sondern eher sowas wie eine Art Frischzellenkur. Macht tierisch Spaß und geht ab wie Schmitts berühmte Katze.

Marillion - An Hour Before Dark

Dieses Album hätte ich MARILLION nicht mehr wirklich zugetraut. Das ist Prog mit allen seinen Windungen und Wendungen. Songs über mehrere Teile, sie türmen sich zu Wellen, fallen in sich zusammen und bauen sich neu auf. Sowas trifft meinen Nerv und das Werk gehört damit ohne Zweifel in meine Top 10.

Eliza Gilkyson - Songs From The River Wind

Der Genre-Mixe Singer-Songwriter, Folk, Americana war in diesem Jahr bei mir ziemlich stark besetzt. Miranda Lambert wäre noch zu nennen, ebenso Calexico, aber Miss Gilkyson machte schließlich mit dünnem Vorsprung das Rennen. Die Musik klingt übrigens genau so, wie das Coverpic ausschaut. Zurückgenommener Folk, ein wenig karg wie die Landschaft. Dennoch ein Hinhörer, ganz ohne Füllmaterial. Sehr sehr angenehm zu hören.


Suckerpunch - Redneck Gasoline

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Suckerpunch. Nach was hört sich das an? Und erst “Redneck Gasoline”, das Coverpic, mehr Wink mit dem Zaunpfahl geht eigentlich nicht. Und dabei kommt die Band aus Dänemark, man glaubt es kaum, wenn man hört, was die so fabrizieren.

Das Album: Hardrock der Marke “Kick Ass” mit ordentlich Blues-Würze und diesem gewissen Route 66 – Feeling. Eigentlich braucht man sonst wirklich nicht viel zu sagen oder zu schreiben. Die Songs gehen ab wie Schmitts berühmte Katze und gehören im Frühling und Sommer auf jeden USB-Stick im Auto. Geile Gitarrenriffs, rotziger Rock & Blues, die Stimme des Mannes am Micro klingt nach viel Alkohol und etlichen Gramm Tabak. Wer ZZ Top mag und dazu noch Oldschool Hardrock, ist hier bestens bedient.

Es gibt kaum ein Album, zu dem man so wenig schreiben oder sich aus den Fingern saugen kann, wie dieses. Mit 2 oder 3 Sätzen ist alles gesagt, alles weitere wäre nur noch Schreibgelaber.


Oceans of Slumber - Starlight And Ash

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Was ist los im Ocean des Schlummer(n)s? Es dauert doch wirklich bis zum 4. Track “Red Forest Roads”, bis die Wellen beginnen, sich zumindest im Ansatz zu türmen. Wo sind die Tempiwechsel, der Bombast der letzten Alben? Und vor allem: wo sind all die Anleihen aus mindestens einem halben Dutzend diverser Metal-Subgenres, des Blues, des Soul und des wasweißichnichtnochalles?

Dieses Album bietet eine echte Überraschung, denn die Band kann wohl nicht nur anders, sondern auch richtig gut anders. Bei manch einem Track kommt es mir vor, als wäre das Album sowas wie ein “chilliges” Projekt mit dem Anspruch: wir können auch lockeres und nicht ganz so dolles Drama und lassen die hohe Kunst des gepflegt-gehobenen Songwritings hochleben.

Insgesamt gefällt mir dieses “wir lassen es mal ruhiger angehen” sehr sehr gut. Alle Songs sind im Fluß, man kann -gegenüber den vorigen Alben- auch beim Hören mal einen Gang runterschalten und die Ohrmuscheln ein wenig baumeln lassen.

Und was noch hinzu kommt: die (tolle) Stimme von Cammie Gilbert kommt sehr prägnant zur Geltung. Ich mag diese Stimme, sie könnte (wenn sie denn wollte) auch auf den Äckern von Blues und Soul eine gute Figur machen. Ob es jedoch unbedingt diese Version von “House Of The Rising Sun” auch noch gebraucht hätte, mag jeder für sich entscheiden.


Six By Six - Six By Six

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Ian Crichton (SAGA), Nigel Glockner (SAXON) und Robert Berry (Emerson / Palmer) - diese Mischung zündet einfach. Herrlich oldschool und richtig fett nach SAGA, dazu ein sehr druckvolles Drumming. nur die Keyboards bleiben sehr im Hintergrund.

Auf jeden Fall ist es ein Power-Album, ab und an geht es vielleicht ein wenig zu sehr in Richtung „Prog-Pop“, was aber kein echtes Problem ist und der dominierenden SAGA-Attitüde geschuldet sein dürfte. Was aber beeindruckt, sind die doch recht vielen Windungen und Wendungen, die satten Melodien, diese gewisse Abgeklärtheit der drei Protagonisten, die genau wissen, daß sie zu den großen Hausnummern im Prog-Rock gehören. Hinzu kommt, daß Berry den Gesangspart wirklich mehr als ordentlich meistert, seine Stimme passt wie die berühmte Faust aufs Auge.

Ich denke nicht, daß es in diesem Falle vermessen wäre, von einer neuen Supergroup zu reden, trotz manchmal etwas vorschnellem oder auch inflationärem Gebrauch dieser Bezeichnung. Die spannende Frage aber ist die, ob dieses Power-Prog-Rock-Konzept inklusive der SAGA-Dominanz für ein weiteres Projekt der drei doch schon etwas gesetzteren Herren taugt.