UltraEdit-Alternativen

Nachdem es bei UltraEdit zu einer für den Kunden alles andere als vorteilhaften Umstellung des Lizenzmodells kam, stellt sich die Frage, welche Alternative(n) in Frage kommen. Die Wahl eines Editors hängt hierbei extrem vom jeweiligen Anforderungsprofil ab, den richtigen Editor für jedermann kann und wird es nicht geben.

Wer die Anwendung morgens einmal startet, um den ganzen Tag kontinuierlich an einem Projekt zu arbeiten, für den spielen andere Kriterien eine Rolle wie für einen Systemadministrator, der öfter ein paar Änderungen an einem Skript oder einer Konfigurationsdatei vornehmen muss – das vielfältige Spektrum möglicher Vor- und Nachteile erstreckt sich von der reinen Startzeit über integrierte Funktionalitäten wie GitHub oder einen Debugger.

Neben der Wikipedia-Liste der Texteditoren bieten sich insbesondere die Developer Survey Results 2017 von stackoverflow als Grundlage für die Auswahl der Testkandidaten an.

Atom (1.23.2)

Atom wirbt mit „Atom is a text editor that’s modern, approachable, yet hackable to the core—a tool you can customize to do anything but also use productively without ever touching a config file.“.

Bereits die Größe des Downloads ist mit 135.509KB beeindruckend, wird aber noch vom offenen Mund bei Inspektion des Installationsverzeichnisses übertroffen, das mit 5.986 Dateien in 3.636 Ordnern und einer entpackten Installationsgröße von 596.831.554 Byte zu Buche schlägt.

Der Installer verzichtet auf jegliche Nachfragen und installiert die Anwendung ins Benutzerverzeichnis“%localappdata%“, was einer strikten Trennung von Programm(Partition) und Daten(Partition) deutlich widerspricht. Diese Mächtigkeit macht sich auch in einem extrem trägen Start bemerkbar, 24 Sekunden bis zum Lostippen sind nicht nur gefühlt zu viel.

Visual Studio Code (1.19.1)

Auch wenn auf den ersten Blick nur das Wort „Code“ angehängt wurde, so hat Visual Studio Code nichts mit dem herkömmlichen Visual Studio zu tun. Der Installer bringt 45.693KB auf die Waage, aus denen nach Abfrage der wichtigsten Installationsoptionen auch 6.363 Dateien ind 1.436 Ordnern werden, die zusammen 225.010.158 Byte  auf der Festplatte belegen.

Obwohl auf der gleichen technischen Basis wie Atom beruhend, geht der Startvorgang mit nur 14 Sekunden deutlich flotter und der Editor macht auf den ersten und zweiten Blick einen guten Eindruck, der duch den integrierten Debugger nochmals verstärkt wird. Leider ist Visual Studio Code auf Grund seines technischen Unterbaus aber im Alltagseinsatz stets einen Tick zu behäbig, weshalb er trotz gutem Eindruck zumindest vorerst nicht als tägliches Werkzeug in Frage kommt.

Sublime Text (3143)

Mit 8.744KB ist Sublime Text deutlich schlanker und auch die installierten 64 Dateien in 1 Ordner mit insgesamt 25.834.589 Byte passen ins Bild.

Auf den ersten Blick wirkt Sublime Text ernüchternd, entpuppt sich aber nach kurzer Orientierungsphase als wahres Feature-Monster. Fast jede gesuchte Funktion ist nur einen Tastendruck entfernt (auch wenn die Bedienung förmlich nach einer Neuauflage der vi-Tasse schreit) und sowohl Syntax-Highlighting als auch Funktionen wie „Jump To Definition“ passen von Anfang an. Dazu kommt noch eine gute Anpassbarkeit der „inneren Werte“ über den integrierten Pyhton-Interpreter, für den es bei Package Control viele hilfreiche Open Source-Plugins gibt.

Im Gegensatz zur oben aufgeführten Konkurrenz ist Sublime Text allerdings beim dauerhaften Einsatz kostenpflichtig und auch wenn die Lizenzgebühr auf den ersten Blick abschreckt, kostet der Editor auf die Zeit gerechnet (falls die Glaskugel keinen Sprung hat) weniger als die Hälfte als UltraEdit.

Notepad++ (7.5.4)

Nochmal schlanker kommt Notepad++ um die Ecke, ein „free (as in „free speech“ and also as in „free beer“) source code editor and Notepad replacement that supports several languages.“

Der Installer hat gerade einmal 4.416KB, lässt bei der Auswahl der Installationsoptionen keinerlei Wünsche offen und die 47 Dateien in 7 Ordnern mit gerade einmal 11.878.640 Bytes sind auf einem modernen System kaum erwähnenswert. Dies macht sich auch bei der Startzeit bemerkbar, die mit Blick auf die Uhr kaum messbar ist.

Leider entpuppt sich Notepad++ beim Arbeiten dann auch als Leichtgewicht, der für das schnelle Bearbeiten zwischendurch zwar geeignet erscheint, für etwas komplexere Aufgaben aber zu wenig Unterstützung bietet – so bleibt zum Beispiel die Funktionsliste beim Bearbeiten eines PERL-Skripts leider leer.

Fazit

Recht schnell ins Abseits katapultieren sich, nicht nur auf Grund der Startzeit aus der lokalen, hauptberuflichen Systemadministrator-Sicht, die auf Electron basierenden „Monster“, deren Grundkonzeption aus Browser und mitgeliefertem Node.js-Webserver sowohl aus administrativer wie auch aus sicherheitstechnischer Sicht ein Alptraum ist.

Nach Antesten der vier aussichtsreichsten Kandidaten scheint Sublime Text mehr als nur ein guter Ersatz für UltraEdit zu werden – nicht zuletzt auch im Hinblick auf das deutlich zuverlässigere Syntax Highlighting, das bei UltraEdit vor allem innerhalb von Perl Regular Expressions öfter mindestens so verwirrt war wie der Mensch vorm Monitor.

Ein Kommentar

  1. Wenn es nur die Sache mit der Lizenz wäre… Jede Version von UltraEdit wird schlimmer und buggiger, nicht nur nervende Tooltipp-Orgien, die zuverlässig verhindern, dass man irgendwo hinklicken kann oder unkontrollierbare Codefaltung, wenn man einfach nur am Anfang der Zeile etwas einfügen möchte, nein, da werden UTF8 Dateien zerstört ohne dass man es merkt oder Leerzeichen sinnfrei in Tabulatoren gewandelt. Dieses Programm ist mittlerweile ein absolutes NoGo, leider. Es gehört in die Tonne.

    Und: Danke für die Tipps!

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