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Judas Priest – Defenders Of The Faith (Special 30th Anniversary Deluxe Edition)

jp-dotfs30adeWährend die meisten Bands meist im Gegensatz zu früheren Zeiten neue Alben nur noch im Abstand von Jahren statt jährlich veröffentlichen, haben sich Neuauflagen früherer Alben zu einer einträglichen Nebenerwerbsquelle entwickelt.

In der Regel mit dem Aufdruck „Remaster“ versehen und mit ein oder zwei Bonustracks angereichert, haben – nach einer kurzen Euphriephase – die entsprechenden Sticker inzwischen eher einen abschreckenden Charakter auf einen Teil der potentiellen Käufer. Zu oft wurde einfach nur die Lautstärke bis knapp unter die Verzerrungsgrenze angehoben und mit massiv eingsetzter Dynamikkompression jegliche Dynamik und Details vernichtet um die ursprünglichen Tracks für die Generation iPod zu optimieren – die ABBA-Remasters sind ein „schönes“ Beispiel dafür, was man beim Remastern alles falsch machen kann und warum gut erhaltene Exemplare der ersten CD-Auflagen inzwischen bei Sammlern heiß begehrt und somit auch teurer als die kaputtoptimierten Nachpressungen sind. Leider ist das auch bei der „Special 30th Anniversary Deluxe Edition“ von JUDAS PRIESTs „Defenders of the Faith“ der Fall, deren Studiotracks sich im Vergleich zum Original als klangmäßiger Totalausfall enpuppen.

Trotzdem ist die Neuauflage auch für Sammler nicht uninteressant, denn sie liefert ein komplettes Konzert auf 2 CDs mit, das bisher nur in Fragmenten als Bonustracks auf den 2001 erschienenen Neuauflagen offiziell erhältlich war. Die Show, aufgenommen am 5.Mai 1984 in der Long Beach Arena in Kalifornien bietet so ziemlich alles, was das 80’er JUDAS PRIEST-Herz begehrt.

Im Gegensatz zur 1987 erschienenen „Priest … Live“, die auf der 1986’er „Fuel for Life Tour“ mitgeschnitten wurde und passend zum be-tour-ten Album „Turbo“ recht poliert und elektro-lastig daherkommt, sind die Aufnahmen von 1984 deutlich bodenständiger und transportieren eine Atmosphäre ähnlich dem legendären „Unleashed in the East“-Album. Die Gitarren sind Priest-like auf die beiden Stereokanäle aufgeteilt, was besonders das Hören über Kopfhörer interessant macht und den ein oder anderen eher schwachen Vocal-Einsatz ebenso verzeihen lässt wie die phasenweisen Geschwindigkeitsübertretungen, bei denen unweigerlich die Frage durch den Kopf schießt, welcher Musiker denn so schnell von der Bühne wollte.

Der auf den 2001’er Remaster enthaltene Bonustrack „Turn On Your Light“ wurde für die Anniversary Edition wieder gestrichen – eine nachvollziehbare Entscheidung, da dieser aus den 1985’er „Turbo“-Studio-Sessions stammte und somit keinerlei Bezug zu „Defenders Of The Faith“ aufwies.

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Judas Priest – Redeemer Of Souls

CoverWiedervereinigungen sind eine zwiespältige Sache: von den Fans in Erinnerung an alte, glorreiche Zeiten herbeigesehnt wird die Realität dem verklärten Blick in die Vergangenheit nur in den seltensten Fällen gerecht.

Leider auch bei JUDAS PRIEST: zwar hat die Euphorie rund um die Rückkehr des Metal Gods die Ripper-Ära schnell vergessen lassen, doch weder die seither erschienenen Studioalben noch Konzerte wissen zu überzeugen. Wer in den letzten Jahren miterleben musste, wie sich Rob Halford durch „Painkiller“ quält, empfindet eher Mitleid statt Begeisterung und das früher unschlagbare Gitarren-Duo Tipton / Downing hat sich spätestens seit dem Weggang des Letzteren ebenfalls erledigt. Die beiden Studioscheiben „Angel Of Retirbution“ und „Nostradamus“ waren eher durchwachsen und „Redeemer Of Souls“ bildet hier auch keine Ausnahme.

Sowohl in Sachen Songwriting als auch in Sachen Instumentalarbeit verliert sich das Album über weite Strecken in austauschbarer Durchschnittskost, die irgendwo zwischen (Selbst-)Zitaten und Ideenlosigkeit pendelt und mancher Mitschunkelrefrain wirkt eher kindlich-peinlich denn einem Metal God würdig. Wo die Instrumentalparts schwächeln, kann auch der Gesang nur wenig retten: Rob Halford wirkt teilweise hörbar überfordert und gleitet in manchem Moment schon fast ins Ozzy-eske ab, statt sich auf seine durchaus vorhandenen Stärken zu konzentrieren. Diese liegen unüberhörbar im eher blues-lastigen Gesang der Pre-„British Steel“-Ära, wie das abschließende „Beginning Of The End“ beweist.

Letztendlich ist das Spannendste an „Redeemer of Souls“ der Bandname auf dem Cover – unter anderem Banner veröffentlicht, würde die Scheibe wohl einfach in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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Judas Priest – Nostradamus

Angesichts der Tatsache, daß in der heutigen gut dokumentierten Zeit schon eine halbe Stunde nach Ende der Pressekonferenz keinem mehr klar ist, was Kurt Beck der Menschheit mitteilen wollte, ist die Geschichte des Michel de Nostredame mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Geschichte voller Missverständnisse.

Vielleicht gerade deswegen scheinen sein Leben und seine Prophezeiungen eine ganze Menge Leute zu beschäftigen. So werden nicht nur seine Veröffentlichungen immer wieder in neuen Interpretationsversuchen unter die Menschheit gebracht, auch im metallischen Umfeld ist der Mann ein durchaus beliebtes Thema. Nachdem schon VANDEN PLAS-Sänger Andy Kuntz in der Titelrolle des gleichnamigen Musicals brillieren durfte und auch BRAZEN ABBOT-Mastermind Nikolo Kotzev ein Doppelalbum zum Thema veröffentlichte, erscheint nun JUDAS PRIESTs „Nostradamus“.

Nach dem eher durchwachsenen – weil zu sehr auf Nummer Sicher gehenden – Reunions-Album „Angel Of Retribution“ war die Spannung natürlich groß, ob Album Nummer zwei der Post-Ripper-Ära den Erwartungen gerecht werden kann. Bereits beim ersten Durchlauf ist klar, daß die JUDAS PRIEST = „Painkiller“-Fraktion an diesem Album nicht viel Freude haben wird, könnte man doch fast vermuten, daß Don Airey seinen Job bei DEEP PURPLE an den Nagel gehängt und ins Lager der Priester gewechselt ist.

„Nostradamus“ klingt wie eine Kreuzung der Pre-„British Steel“-Ära gepaart mit dem „Defenders Of The Faith“-Sound und folgt weitestgehend dem Weg, den die beiden vorab veröffentlichten Songs „Nostradamus“ und „Visions“ bereits skizziert haben. Auch wenn bei einem Gesamtumfang von 2 Silberlingen das Gesamtwerk an der einen oder anderen Stelle schwächelt, kann das Album sowohl durch dichte Atmosphäre als auch durch erstklassiges Songmaterial überzeugen. Der musikalisch abwechslungsreiche Bogen spannt sich hierbei von operesken Melodien wie „Pestilence and Plague“ zu düsteren Stampfern wie „Death“, kombiniert mit ruhigen, eher Keyboard dominierten Songs wie „Lost Love“.

„Nostradamus“ ist sicherlich weder das stärkste Album, das JUDAS PRIEST je veröffentlicht haben, noch das schwächste – sondern reiht sich im Gesamtwerk der Priester im oberen Mittelfeld ein.