Technik

GrapheneOS

09. November 2022 · Betriebssysteme · andreas · Kein Kommentar

Seit dem unrühmlichen Ende meines Nexus 5X war hier ein gebrauchtes Google Pixel der ersten Generation mit dem Betriebssystem LineageOS im Einsatz.

LineageOS ist zwar im Hinblick auf Datensparsamkeit ein Schritt in die richtige Richtung, in Sachen Sicherheit aber leider nicht mehr als ein Kompromiss: oft ist nicht klar, ob und wie vollständig Sicherheitspaches in das System integriert werden (dies variiert von Gerät zu Gerät und dem jeweiligen Maintainer) und auf Grund fehlender Quellcodes für die Blobs bleiben Teile des Systems nach Ende der offiziellen Wartung zwangsweise ungepatcht. Dazu kommt noch ein gravierender Nachteil: nach der Installation muss der Bootloader offen bleiben - das Smartphone sollte anschließend nach Möglichkeit nicht mehr aus den Augen gelassen werden, denn das Aufspielen eines Patchs oder Abziehen der Daten am Betriebssystem vorbei ist - je nach installierter Recovery - für einen Angreifer nur wenige Schritte entfernt.

Nachdem Google den 23. Geburtstag mit entsprechenden Rabatten feierte, rutschte der Preis des Pixel 4a in annehmbare Regionen. Bei dem Gerät handelt es sich um das bisher letzte Hosentaschengerät von Google, welches mit 5,8"-Bildschirm und mit dem Pixel fast identischen Gehäusemaßen (0,2 mm länger, dafür 0,1 mm schmaler) eine problemlos tragbare Alternative darstellt.

Google Pixel 4a mit GrapheneOS

Nach wenigen Wochen mit dem Oiginalbetriebssystem von Google war klar: es ist zwar schön, was Google so alles an Komfortfunktionen bereitstellt, aber einen Großteil davon bezahlt man mit einem permanenten Daten(ab)fluss und es bleibt das Gefühl, permanent eine Wanze mit sich herumzutragen, die “Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast” besser beantworten kann, als man selbst. Somit ging die Suche nach einem alternativen Betriebssystem los, das nach Möglichkeit auch bessere Sicherheitsfeatures bieten sollte, als LineageOS.

Dank entsprechender Artikel des auf Sicherheit folussierten Blogs von Mike Kuketz endete die Suche bei GrapheneOS:

GrapheneOS ist ein auf Sicherheit und Datenschutz ausgerichtetes Open-Source-Betriebssystem mit Android-App-Kompatibilität.

Alle Komponenten, die für die Android-Basiskompatibilität nicht erforderlich sind, werden nicht integriert. GrapheneOS basiert demnach auf dem Android Open Source Project (AOSP), erweitert dieses aber um Funktionen und Maßnahmen, die die Sicherheit und den Datenschutz verbessern. [Quelle]

Der starke Fokus auf Sicherheit und Datenschutz zeigt sich in vielen Details: der Bootloader kann und soll nach Installation wieder geschlossen werden; WiFi und Bluetooth können systemseitig gestoppt werden, wenn für einen einstellbaren Zeitraum keine Verbindung (mehr) besteht; Systemupdates (sowohl Sicherheitsaktualisierungen als auch Versionsupdates) erscheinen teilweise früher als sie für die Google-Geräte verfügbar sind und genau wie beim System aus Mountain View reicht ein Neustart, um in das aktualiserte System zu wechseln. Auch ansonsten gibt es viele durchdachte Details, wie z.B. den eigenen App-Store, über den einige Graphene OS-eigene Apps installier- und aktualisierbar sind und auch die Möglichkeit, den Portal-Check beim Neuverbinden auf Graphene OS- statt der Google-Server umzustellen. Zum Surfen gibt es einen eigenen, auf Chromium basierenden Browser mit stets aktualisertem Webview.

Sofern man über einen Fehler stolpert, kann dieser im projekteigenen Github-Issue-Tracker gemeldet werden und zumindest die eigene Erfahrung zeigt, daß sich auch zeitnah jemand kümmert. Eine deutlich angenehmere Erfahrung als meine Fehlermeldung bei Google bzgl. der Funkverbindung meines “Nexus 4”, zu der ich wohl auch inzwischen keine Reaktion oder einen Fix mehr erwarten darf.

Als Alleinstellungsmerkmal bietet Graphene OS an, über den eigenen App-Store sogenannte “Sanboxed Google Services” zu installieren, also die Google eigenen Dienste inklusive PlayStore nachzuinstallieren. Diese laufen dann aber nicht - wie beim Originalsystem - mit Systemrechten somit fast uneingeschränktem Zugriff, sondern laufen nur mit den Rechten einer “normalen” App, was die Zugriffsmöglichkeiten deutlich einschränkt.

Mein Nutzungsprofil unterscheidet sich wahrscheinlich deutlich von dem der meisten Smartphone-Nutzer: ich verwende das Gerät hauptsächlich zum Telefonieren und als tragbaren Kalender und Kontaktverwaltung. Instant Messenger - egal, ob sie Signal, Threema oder WhatsApp heißen - sind bei mir nicht installiert, ich fand solche Dienste schon zu Zeiten von ICQ absolut überflüssig.

Die “Sanboxed Google Services” sind bei mir mangels Bedarf nicht installiert. Als Appstore kommt neben dem Graphene OS-eigenen lediglich F-Droid zum Einsatz, welcher eine ganze reihe frei verfügbarer, quelloffener Apps bündelt:

  • DAVx5: Synchronisation von Kontakten und Kalendereinträgen mit der Nextcloud-Instanz

  • Gadgetbridge: Companion-App zur Verbindung von Smartwatches wie z.B. der Pebble2 mit dem Smartphone

  • KeepassDX: hat nach einigen Jahren auf Grund erweiterter Funktionalität das bisher installierte KeepassDroid ersetzt

  • K-9 Mail: wenn auch zwischenzeitlich etwas angestaubt, ist K-9 Mail seit meinen ersten Schritten auf Android ein zuverlässiger Begleiter, mit dem ankommende Mails zumindest gelesen werden

  • Music Player GO: die Auswahl an Musikplayern ist riesig, aber viele davon werden nur mäßig bis gar nicht geplegt. Der “Music Player Go” ist schlank, erhält regelmäßig Updates und sieht gut aus

  • Nextcloud, Nextcloud News und Nextcloud Notizen: Kontakte, Kalender und Notizen werden über eine Nextcloud-Instanz synchronisiert

  • OpenTracks: ideal, um ab und an eine Wanderung oder eine Radtour mitzutracken. Keine GPS-Daten, die in Richtung Cloud wandern, sondern auf dem Gerät bleiben

  • Privacy Browser: auf dem System-Webview aufsetzende Browseroberfläche, welche bereits einige Filterlisten eingebaut hat und domänenspezifische Konfigurationseinstellungen (Javascript, Cookies, User Agent, …) mitbringt

  • Schlichter Kalender: eine der sog. “schlichten Apps”, die funktional hochwertig und ohne Werbung sind

Auch wenn sich Graphene OS für den Produktiveinsatz uneingeschränkt eignet, so ist eine Baustelle anfangs irritierend: alle neu hinzugefügten (oder geänderten) Einstellungsmöglichkeiten und Apps sind zum aktuellen Zeitpunkt ausschließlich in englischer Sprache erhältlich, was sich stellenweise seltsam anfühlt. Auch wären ein paar zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten, wie z.B. den Eintrag eines privaten Portalservers zum “Internet Connectivity Check” wünschenswert. Aber das sind letztendlich Wohlfühl-Detailverbesserungen an einem ansonsten hervorragenden Produkt.


Einstellungen mit dconf sichern

27. Oktober 2022 · Betriebssysteme · andreas · Kein Kommentar

Während viele Programme ihre Einstellungen in Konfigurationsdateien speichern, verwenden andere die Kombination aus dconf/GSettings, um die Einstellungen in der zentralen GNOME-Konfigurationsdatenbank abzulegen.

Das Sichern der vorhandenen Einstellungen kann auf der Kommandozeile mit dconf erledigt werden, hier am Beispiel von Tilix:

$ dconf dump /com/gexperts/Tilix/ > tilix_settings.dconf

Das Ergebnis des Befehls ist eine Textdatei “tilix_settings.dconf”, welche editiert, kopiert und bei Bedarf auch wieder zurückimportiert werden kann

$ dconf load /com/gexperts/Tilix/ < tilix_settings.dconf

Heiße SSD

20. Oktober 2022 · Hardware · andreas · Kein Kommentar

Die Symptome waren relativ unspezifisch und in einem Nicht-Laptop hätte die Suche nach der Ursache wahrscheinlich deutlich länger gedauert:

Beim Schreiben von Dateien war aus heiterem Himmel immer eine kurze Verzögerung zu merken, sowohl beim Speichern aus einem graphischen Editor wie gedit als auch auf der Kommandozeile mit vi. Auffällig war, daß die vordere linke Ecke des Laptops kurz nach dem Einschalten sich spürbar erhitzte.

Ein Blick ins Gehäuse zeigte, daß in dieser Ecke die SSD platziert ist - im konkreten Fall eine “LITEON CV3-8D512-41 SATA 512GB SED” und smartctl bestätigte die Vermutung, daß mit der SSD etwas nicht stimmt:

=== START OF INFORMATION SECTION === Device Model: LITEON CV3-8D512-41 SATA 512GB SED ... 194 Temperature_Celsius 0x0003 100 100 000 Pre-fail Always - 85

Man konnte direkt nach dem Start beobachten, wie die Temperatur auch ohne sonderliche Beanspruchung bereits nach dem Booten bei über 50°C lag und dann anstieg, bis sie sich bei rund 85°C einpendelte - ein Wert bei dem wahrscheinlich die interne Drosselung die beobachteten Verzögerungen beim Schreiben verursachte.

Testweise wurde die SSD ausgebaut und durch ein anderes Gerät ersetzt: die Verzögerung beim Schreiben ist verschwunden und die Temperatur stimmt auch wieder:

=== START OF INFORMATION SECTION === Model Number: CT250P2SSD8 ... Temperature: 26 Celsius

Wichtige Nachricht zu Stadia

04. Oktober 2022 · Anwendungen · andreas · Kein Kommentar

Nachdem Ende September bereits die Ankündigung durch die Presse ging, kam heute von Google eine “Wichtige Nachricht zu Stadia”:

Hallo,

wir haben am 29. September 2022 bekannt gegeben, dass der Stadia-Dienst am 18. Januar 2023 eingestellt wird. Jetzt möchten wir dich als Stadia-Nutzer darüber informieren, welche Auswirkungen das auf dich hat.

Verfügbarkeit

Du kannst weiterhin Games auf Stadia spielen, bis der Dienst am 18. Januar 2023 eingestellt wird. Bis dahin hast du Zugriff auf deine Stadia-Mediathek inklusive aller Pro-Games, wenn du bis zum 29. September 2022 Stadia Pro abonniert hast. Es kann sein, dass je nach Spieleentwickler nicht mehr alle Spiele unterstützt werden und dass sich während des Abschaltzeitraums auch dein Gameplay verschlechtern kann.

Rückerstattungen

Google erstattet Stadia-Nutzern das Geld für Hardware-Käufe aus dem Google Store sowie für gekaufte Spiele und Add-ons aus dem Stadia Store zurück, z. B. für Stadia-Controller, Stadia Founder’s Edition, Stadia Premiere Edition oder für das Set “Google TV zum Spielen und Fernsehen”. Die Erstattung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir gehen davon aus, dass die meisten Erstattungen bis zum 18. Januar 2023 abgeschlossen sein werden. Die meisten Erstattungen sollten automatisch über die Zahlungsmethode erfolgen, die für den Kauf verwendet wurde. Wir werden dir noch eine weitere E-Mail zu den Käufen senden, die nicht automatisch zurückerstattet werden können. Darin erhältst du weitere Informationen zur Erstattung.

Transaktionen und Abogebühren

Alle kommerziellen Funktionen auf Stadia wurden jetzt deaktiviert, z. B. der Kauf von Spielen, neue Abos, Add-ons oder In-Game-Käufe. Google stellt Spielern, die am 29. September 2022 ein aktives Stadia Pro-Abo hatten, den Zugriff auf ihre Pro-Mediathek oder andere Aboberechtigungen während des Abschaltzeitraums nicht in Rechnung. Vergangene Abogebühren für Stadia Pro können nicht erstattet werden.

Stadia-Konto und Daten

Du kannst alle deine Daten auf Stadia wie Profilinformationen, Statistiken von Spielen, soziale Daten, gespeicherte Dateien und Aufnahmen über den Google Datenexport bis zum 18. Januar 2023 exportieren. An diesem Tag wird Stadia eingestellt und alle deine Daten werden endgültig gelöscht. Du kannst auch jederzeit Stadia aus deinem Google-Konto entfernen oder dein gesamtes Google-Konto löschen. Wenn du dein Google-Konto löschst, werden auch alle Daten und Inhalte in deinem Konto, einschließlich E-Mails, Fotos und Dateien, gelöscht. Möglicherweise verlängert sich damit auch die Dauer bis zur Rückerstattung deiner Stadia-Käufe. Google darf jedoch bestimmte Daten wie Transaktionsdaten bis zu drei Jahre, nachdem Stadia eingestellt wurde, zum Zweck der Verarbeitung für Erstattungen und für den Kundensupport aufbewahren.

Weitere Informationen findest du in der Stadia-Hilfe. Die Seite wird regelmäßig aktualisiert, sobald neue Informationen verfügbar sind.

Dein Stadia-Team

© 2022 Google Ireland Ltd, Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Ireland

Mit dieser E-Mail informieren wir dich über wichtige Änderungen, die Stadia oder dein Konto betreffen.

Auch wenn es nur um die Einstellung eines Online-Diensts geht, hätte ich es schöner gefunden, zuerst die betroffenen Kunden und anschließend erst den Rest der Welt zu informieren.


Google stellt Stadia ein

01. Oktober 2022 · Anwendungen · andreas · Kein Kommentar

Eigentlich hatte ich mit dem Ende des Google Readers beschlossen, zukünftig auf Dienste des Unternehmens zu verzichten. Ich wollte nicht noch einmal die Erfahrung machen, daß ein Dienst, den ich gerne verwendet habe, einfach so eigestellt wird und auf dem Friedhof der Google Dienste landet.

Nachdem ich das Thema Streaming von Spielen lange Zeit ignoriert habe, habe ich rund um den letzten Jahreswechsel dann doch den kostenlosen Probemonat genutzt und Google Stadia ausprobiert. Die ersten Runden in Control waren vielversprechend - egal, ob am PC mit Chromium, auf dem Android Tablet oder der Nvidia Shield: das Versprechen jederzeit auf jedem Gerät spielen zu können wurde gehalten.

Cyberpunk 2077 Screenshot

Mitten im Probemonat kam dann das Angebot, Cyberpunkt 2077 für 29,99€ im Rahmen einer Aktion erwerben zu können, abzüglich 10€ Rabatt für den ersten Spielkauf - also unterm Strich für 19,99€ ohne anschließende Abo-Verpflichtung, sofern Full HD und Stereo-Sound ausreichend sind.

Kurz überlegt, gekauft und gespielt und während sich bei Control der Steuerungswechsel zwischen den Geräten als eher störend erwiesen hat, macht Cyberpunk 2077 je nach Mission auf unterschiedlichen Geräten sogar mehr Spaß: alles, was mit Waffen oder zielen zu tun hat, am besten mit Maus und Tastatur, während die Autorennen am Fernseher mit den analogen Sticks des Shield-Controllers deutlich angenehmer und entspannter zu fahren sind. Storylastige Missionen lassen sich ab und an auch entspannt mit dem Tablet auf der Couch spielen.

Auch das Erscheinen der beiden großen Content-Patches hat gezeigt, wie komfortabel Cloud-Gaming sein kann: kein langwieriges Herunterladen, Patchen und warten - sondern am Releasetag mit einer fertig gepatchten Version weiterspielen.

Google Stadia Screenshot

Nun hat Google angekündigt, zum 18. Januar 2023 Stadia zu schließen. Neue Spiele können bereits nicht mehr gekauft, die bereits gekauften Spiele bis zu diesem Tag aber noch gespielt werden. Eine recht kulante Lösung ist die angekündigte Rückerstattung der im Google Store gekaufen Hard- und Software, so daß zumindest kein finanzieller Verlust entsteht. Andere Firmen handhaben solche Situationen durchaus kundenunfreundlicher.

Trotzdem ist es schade: zum einen gibt es keinen vergleichbaren Dienst für Gelegenheitsspieler, der ohne Abo-Gebühren betrieben wird und leider können die Spielstände zwar aus der Cloud heruntergeladen werden, sind aber nicht immer zu anderen (Cloud-)Versionen des jeweiligen Spiels kompatibel.