Klaus Seiler

Oceans of Slumber - Starlight And Ash

25. November 2022 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Oceans of Slumber - Starlight And Ash (Cover)Was ist los im Ocean des Schlummer(n)s? Es dauert doch wirklich bis zum 4. Track “Red Forest Roads”, bis die Wellen beginnen, sich zumindest im Ansatz zu türmen. Wo sind die Tempiwechsel, der Bombast der letzten Alben? Und vor allem: wo sind all die Anleihen aus mindestens einem halben Dutzend diverser Metal-Subgenres, des Blues, des Soul und des wasweißichnichtnochalles?

Dieses Album bietet eine echte Überraschung, denn die Band kann wohl nicht nur anders, sondern auch richtig gut anders. Bei manch einem Track kommt es mir vor, als wäre das Album sowas wie ein “chilliges” Projekt mit dem Anspruch: wir können auch lockeres und nicht ganz so dolles Drama und lassen die hohe Kunst des gepflegt-gehobenen Songwritings hochleben.

Insgesamt gefällt mir dieses “wir lassen es mal ruhiger angehen” sehr sehr gut. Alle Songs sind im Fluß, man kann -gegenüber den vorigen Alben- auch beim Hören mal einen Gang runterschalten und die Ohrmuscheln ein wenig baumeln lassen.

Und was noch hinzu kommt: die (tolle) Stimme von Cammie Gilbert kommt sehr prägnant zur Geltung. Ich mag diese Stimme, sie könnte (wenn sie denn wollte) auch auf den Äckern von Blues und Soul eine gute Figur machen. Ob es jedoch unbedingt diese Version von “House Of The Rising Sun” auch noch gebraucht hätte, mag jeder für sich entscheiden.


Six By Six - Six By Six

17. November 2022 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Six By Six - Six By Six (Cover)Ian Crichton (SAGA), Nigel Glockner (Saxon) und Robert Berry (Emerson / Palmer) - diese Mischung zündet einfach. Herrlich oldschool und richtig fett nach Saga, dazu ein sehr druckvolles Drumming. nur die Keyboards bleiben sehr im Hintergrund.

Auf jeden Fall ist es ein Power-Album, ab und an geht es vielleicht ein wenig zu sehr in Richtung “Prog-Pop”, was aber kein echtes Problem ist und der dominierenden Saga-Attitüde geschuldet sein dürfte. Was aber beeindruckt, sind die doch recht vielen Windungen und Wendungen, die satten Melodien, diese gewisse Abgeklärtheit der drei Protagonisten, die genau wissen, daß sie zu den großen Hausnummern im Prog-Rock gehören. Hinzu kommt, daß Berry den Gesangspart wirklich mehr als ordentlich meistert, seine Stimme passt wie die berühmte Faust aufs Auge.

Ich denke nicht, daß es in diesem Falle vermessen wäre, von einer neuen Supergroup zu reden, trotz manchmal etwas vorschnellem oder auch inflationärem Gebrauch dieser Bezeichnung. Die spannende Frage aber ist die, ob dieses Power-Prog-Rock-Konzept inklusive der Saga-Dominanz für ein weiteres Projekt der drei doch schon etwas gesetzteren Herren taugt.


Klaus Seilers Album-Highlights 2021

06. April 2022 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Meine Album-Highlights des Jahres 2021 in alphabetischer Reihenfolge:

Albumcover

Creye - II

Über dieses Album hatte ich schon in April 2021 ein Review geschrieben, es braucht also keine größeren Ergänzungen dazu. Das Teil drehte sich für Monate immer wieder im Player, eines der besten Oldschool-AOR-Alben der letzten Jahre.

Dave Gahan & The Soulsavers - Imposter

Dave Gahan ist mehr als der charismatische Frontmann von DEPECHE MODE, er ist ein Crooner reinsten Wassers. Ich mag seine Stimme und ich mag seine Fähigkeiten, tolle Songs zu covern, ohne sie zu verwässern oder gar zu verschlimmbessern. Dazu kommt noch dieses durchgehende “Pop-Noir”-Gefühl, welches das gesamte Album durchzieht.

Nolwenn Leroy - La Cavale

Von der Kritikasterzunft allermeist gerade mal so wohlwollend aufgenommen, ist das Album mit dem darauf enthaltenen French-Pop-Folk-Mix für mich ein akustischer Ohrenschmaus. Luftig, locker, feine Stimme. Könnte man das Album essen, würde ich es als sehr fluffiges Muffin bezeichnen. Sicher nicht jedermanns Sache und über das Coverpic will ich mich jetzt auch nicht auslassen, aber man schwimmt auch gerne mal gegen den Strom.

Robert Plant | Alison Krauss - Raise The Roof

Natürlich gehört dieses Album zu den Top 5, es wurde mehr als genug gewürdigt. Alles, was ich jetzt noch schreibe, wäre simple Wiederholung.

Strand Of Oaks - In Heaven

Und jetzt kommt ein Album, das ich in 2021 wirklich zufällig bei den Reviews von Laut.de entdeckt hatte. Ich mag Folk, ich mag Folk-Rock, ich mag das, was man auch gerne mal als “Americana” bezeichnet. Und dieses Album ist eine für meine Begriffe wirklich tolle Melange aus diesen Zutaten. Es ist -was selten bei mir vorkommt- eine Band, die man wohl in die berühmt-berüchtigte Indie-Ecke stellen mag. Also ein Bereich, in dem ich normalerweise eher nicht unterwegs bin. Aber für tolle Ausnahmen bin ich trotzdem immer zu haben.


Klaus Seilers Album-Highlights 2020

24. März 2022 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Mit “leichter” Verspätung meine Album-Highlights des Jahres 2020 in alphabetischer Reihenfolge:

Albumcover

Joe Bonamassa - Royal Tea

Irgendwie musste Joe Bonamassa ja in die Top 5 rutschen, ich bin halt ein ausgewiesener Fan von ihm. Je mehr dieser Hans Dampf in allen Gassen raushaut, desto weniger traue ich manchmal meinen Ohren.

Eigentlich müsste der Mann nur noch die Kopie seiner Kopie seiner Kopie sein, aber sein technisches Können, seine irren Riffs und sein Groove begeistern mich halt immer wieder. Und er versteht es superb, sich immer wieder hochkarätige Gäste einzuladen, insbesondere auch wohl wissend, dass seine Stimme zwar durchaus gut ist, aber eben “nur” gut…..also gibt es Einladungen an bessere Stimmen und sehr gute Background-Singer.

Lionville - Magic Is Alive

Melodischer AOR, wie ich ihn sehr mag. Immer wieder gerne gehört, in solchen Alben kann ich schwelgen, sie verscheuchen so manch eine “miese Stunde”.

Jessica Wolff - Para Dice

Als ich das Album zum ersten Mal im Net hörte UND den YT-Clip zu “Superhero” sah, war ich hin und weg von der Musik wie auch der physischen Präsenz dieser absoluten Powerfrau.

Eigentlich total beknackt, spielt sie doch mit so ziemlich allen Klischees der 1980er Jahre inklusive richtig krachendem Retro-Geballer. Aber trotzdem, ich finde die Musik irgendwie genial, manchmal braucht man genau sowas. Harter Rock, der gar nicht erst den Versuch macht, den Anschein von “intelligentem” Rock zu erfüllen.

Das ist irgendwie so ähnlich, wie im Filmbereich mit Chuck Norris: jeder macht Witze über ihn, kaum einer schaut seine Filme, aber alle kennen Mc Quade, der Wolf.

YELLO - Point

Ein Album, von dem ich in 2020 wirklich überrascht wurde. Ich hätte nicht gedacht, dass die beiden (älteren) Herren nochmal sowas raushauen könnten.

Manch einer meint, Yello haben einen gepflegten Sockenschuss (schon immer gehabt). Aber ihre im Grunde simplen wie spannenden Klangkompositionen haben es mir einfach angetan.

Young Chinese Dogs - The Quiet & The Storm

Eigentlich stammt das Album aus 2019, aber es fand erst 1 Jahr später den Weg zu mir.

Solche Musik nennt man ganz gerne “Indie-Pop-Folk-Gebräu”. Vor allem natürlich “Indie”. Warum? Weil man mit “Indie” sehr gerne dieses Gefühl “gegen den Mainstream” assoziiert. Also gerne Erfolg, aber bitte nicht zu viel und nicht in den Charts der üblichen Verdächtigen.

Ziel ist oft, dass man zu den bekanntesten Unbekannten im Musikbiz zählt und sowas auch gerne mal als Alleinstellungsmerkmal verkauft…..nun denn. Die Band ist übrigens tatsächliche eine deutsche Band und durfte schon mit relativ großen Namen auf der Bühne stehen.

Was ich an diesem Album sehr mag, ist die Leichtigkeit, die Melodik, die Stimmen (gerne auch mehrstimmig) und die weitgehend akustische instrumentale Umsetzung. Und in einem solchen Falle fahre bzw. höre ich sehr sehr gerne mal in der “Indie-Spur”, die ich ansonsten doch eher meide.

Maßgebend war das Anschaffungs-, nicht das Erscheinungsdatum.

Brian Setzer - Gotta Have The Rumble

24. November 2021 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Brian Setzer - Gotta Have The Rumble (Cover)Der Mann: 61
Die Lederjacke: passt
Das Bike: stilecht eine Triumph

Brian Setzer ist ein Phänomen, er bewegt sich in einem doch eher schmalen Musikbereich und schafft es trotzdem, nicht von Album zu Album wie die Kopie der Kopie zu klingen.

Natürlich muss oder sollte man zumindest diese Rock’n’Roll – Rockabilly – Mixtur mögen, ansonsten kann man das Album wohl gleich vergessen. Wer jedoch ein gewisses Faible für relativ rotzigen “Roggnroll” hat, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Ob -wie in den Anfangsjahren- mit den Stray Cats oder zusammen mit seinem “The Brian Setzer Orchestra”, seine Musik wirkt trotz ausgesprochenem Vintage-Feeling immer wie “a breath of fresh air”.

Hört man “Gotta Have The Rumble” im Auto, könnte man sogar zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden, wenn der rechte Fuß ziemlich unkontrolliert aufs Gaspedal trommelt. Das Album ist durchgehend ein Abräumer und feiert alle Spielarten des Rock’n’Roll der 1950er Jahre fast schon frenetisch ab. Setzer singt, spielt und swingt dabei so abgebrüht cool, dass im wohl derzeit in seinem Metier kaum einer das Wasser reichen kann.

Cooler Typ, cooles Album und Roggnroll-Power satt. Was will man mehr? Es sei denn, man bekommt bei Schmalztolle, Lederkluft und Rockabilly den großen Fluchtreflex.