Musik

Winterland - Alles geht

11. Februar 2011 · Audio · andreas · 1 Kommentar

Winterland - Alles geht (Cover)Es gibt Scheiben, deren Sound macht so viel Spaß, daß alles andere fast zur Nebensache wird. Und leider gibt es immer weniger davon …

Die meisten Alben im Mainstream-Bereich fallen immer mehr einer Optimierung auf die mobilen Abspielgeräte ihrer potentiellen Hörer zum Opfer und werden mit deutlich zu viel Kompression behandelt. Das Ergebnis rummst dann zwar ganzvieldoll auf jedem Handy-Lautsprecher, spätestens an einer “guten” Stereo-Anlage fällt aber der geschrumpfte Dynamikumfang auf und der Verdacht fällt vorübergehend auf einen Schaden an den heimischen Geräten.

Winterland steuern gegen diesen Trend und lassen ihren deutlich hörbaren 80’er Einflüssen nicht nur beim Songwriting freien Lauf. Die Produktion des aktuellen Silberlings orientiert sich an einer Zeit, als Wert darauf gelegt wurde, die CD als klanglich überlegenes Medium am Markt zu positionieren.

Die große Neuerung bei “Alles geht” deutet bereits der deutsche Titel an, denn auf Album Nummer vier (die Schreiben mit Frontmann Stephan Hugo bei dieser Zählung auslassend) beschränkt sich Texter und Sänger Thorsten Fries ausschließlich auf die Verwendung deutschsprachiger Texte.

“Alles geht” ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, den das Duo Pfeffer / Fries 1997 mit dem teilweise noch sehr metallisch inspirierten “Under The Flood” begonnen hat und stellt eine logische Weiterentwickling des Vorgängeralbums “eveningStar” dar.


Circle II Circle - Delusions of Grandeur

22. Dezember 2010 · Audio · andreas · 1 Kommentar

Circle II Circle - Delusions of Grandeur (Cover)Daß man auch zum SpecialPrice Fehlinvestitionen tätigen kann, beweisen Circle II Circle mit ihrem 2008’er Werk “Delusions of Grandeur”.

Schon das Cover sollte stutzig machen - was nach drittklassigem PC-Rollenspiel aussieht, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Spitzenalbum verzieren und so regiert analog zum Rollenspiel auch eher gepflegte Langeweile denn Spannung pur.

Das Hauptproblem von “Delusions of Grandeur” sind die über weite Strecken uninspirierten Gesangslinien, die so weit nach vorne gemischt wurden, daß sich die Instrumentalfraktion - außer während der Soloparts - beliebig abrackern kann ohne auch nur ansatzweise punkten zu können. Zak Stevens mag ein großartiger Sänger sein, trotzdem nervt der Gesang spätestens ab Mitte des Albums und die Orientierung welcher Song gerade läuft, kann nur noch mit Unterstützung der leuchtenden Ziffern am CD-Player zurückgewonnen werden.

Das abschließende “Every last thing” versucht mit “Ich war mal Sänger bei Savatage"-Anleihen wenigstens einen guten letzten Eindruck zu hinterlassen, versinkt aber letzendlich genauso in der Beliebigkeit wie der Rest des Albums.


Anderson / Wakeman - The Living Tree

12. Dezember 2010 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Anderson / Wakeman - The Living Tree (Cover)Die Wege von Yes sind sonderbar und unergründlich - während die Herren Howe, Squire und White zusammen mit Wakeman-Sohn Oliver und Coverband-Sänger Benoit David unter dem Banner “Yes” durch die Lande ziehen, sind fast gleichzeitig die Herren Wakeman (diesmal der Vater) und Jon Anderson mit dem “Anderson Wakeman Project 360” in England unterwegs.

“The Living Tree” steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit dem “Project 360”, doch war dieses mit großer Wahrscheinlichkeit einer der Gründe, das vor rund vier Jahren begonnene Album endlich zu Ende zu führen.

Der Silberling ist sparsam instrumentiert, bietet Rick Wakeman (Keyboards) und Jon Anderson (Vocals and Guitars) in Reinkultur und kommt gänzlich ohne Percussion aus. Alle Songs bis auf das abschließende “Just One Man” (das im ursprünglichen Arrangement auf dem ebenfalls 2010 erschienenen Jon Anderson-Soloalbum “Survival and other Stories” zu finden ist) wurden von Rick Wakeman komponiert, die Texte und Vocallines stammen aus der Feder von Jon Anderson.

Rick Wakemans Instrumentalarbeit akzentuiert hervorragend die stellenweise sehr fragil klingende Stimme Jon Andersons und auch die textliche Fokussierung auf Themen des irdischen Daseins fügt sich wunderbar ins Gesamtbild, genau wie das von Mark Wilkinson gestaltete Cover.

“The Living Tree” mag beim ersten Hören auf Grund des “just the two of us”-Konzepts und seiner durchgängigen Homogenität vielleicht einen Tick zu einfach und ruhig klingen, fesselt jedoch mit jedem weiteren Durchlauf immer mehr durch schlichte Schönheit und die ganz besondere Chemie zwischen seinen Schöpfern.


Black Country Communion - Black Country Communion

20. Oktober 2010 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Black Country Communion - Black Country Communion (Cover)Der Begriff “Supergroup” erfährt in den letzten Jahren einen inflationären Gebrauch. Während 1999 bei Paul McCartneys “Run Devil Run” trotz der Teilnahme von David Gilmour und Ian Paice kaum jemand das Etikett zückte, wird es heute fast jeder Scheibe aufgeklebt, die auch nur zwei ansatzweise bekannte Nasen vereinigt.

Auch Black Country Communion werden meist als Supergroup abgestempelt - auch wenn die Frage gestellt werden darf, wieviel “Super” in zweimal Ex (Glenn Hughes als Ex-Deep Purple und Derek Sherinian als Ex-Dream Theater) sowie einem Sohn (Jason Bonham) und einem “Joe Wer?” (Joe Bonamassa) steckt. Treffender wäre der Begriff “Castingband”, denn wie auf der beiliegenden Bonus-DVD geschildert, ist die Band aus einer Idee des Iron Maiden-Haus-und-Hof-Produzent Kevin Shirley entstanden, der Glenn Hughes und Joe Bonamassa bei einer gemeinsamen Jam-Session gesehen hatte.

Shirleys Vision war es, eine Art moderne Deep Purple zu erschaffen und sie wurde gelungen umgesetzt. Glenn Hughes macht seinem Ehrentitel “The Voice Of Rock” alle Ehre und liefert zusammen mit Jason Bonham ein solides Instrumentalfundament. Derek Sherinian tobt sich auf der Hammond aus und Joe Bonamassa empfiehlt sich durch Gitarrenarbeit irgendwo auf der Schnittlinie zwischen Ritchie Blackmore und Steve Morse auch dem geneigten Hardrock-Fan, der mit Bonamassas Blues-Wurzeln nicht allzu vertraut ist.

Die besten Momente haben Black Country Communion immer dann, wenn die Band sich Zeit lässt und nicht wie bei “Beggarman” durch die Noten hastet. Tracks wie das grandiose “Song of yesterday”, “Stand (At The Burning Tree)” oder der über elf Minuten lange Abschluss “Too Late For The Sun” versprühen genau das “Mistreated”-Feeling, welches die Deep Purple-Scheiben mit Hughes und Coverdale zu Klassikern machte. Und wer gerne einen aktuelleren Vergleich hätte: “Black Country Communion” ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das beste Glenn Hughes-Album seit “Songs in the Key of Rock”.


Pink Floyd - The Wall performed Live at Earls Court

05. September 2010 · Video · andreas · Kein Kommentar

pf-twplaecRechtzeitig um noch auf den Roger Waters “The Wall Live”-Zug aufzuspringen, veröffentlicht Starline Media Entertainment eine Live-DVD des Pink Floyd-Auftrittes am 9.August 1980 im Earls Court in London.

In Vorbereitung des geplanten “The Wall” Kinofilms hatte die Band seinerzeit mehrere Konzerte der Tour mitschneiden lassen, um Ausschnitte davon im Film zu verwenden - eine Idee, die nach ausführlicher Sichtung des Materials wieder verworfen wurde, da die Aufnahmen über weite Strecken zu dunkel geraten waren und den FLOYD’schen Qualitätsansprüchen nicht genügten.

Trotzdem sind im Laufe der Zeit zumindest zwei Shows als geschnittene Konzertaufnahmen in die Öffentlichkeit gelangt: neben den Aufnahmen aus dem Nassau Coliseum, New York vom Februar 1980 auch die hier veröffentlichte Aufnahme aus London.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der vorliegenden DVD um keine offizielle Pink Floyd-Veröffentlichung, sondern es wurde einfach einer der existierenden Bootlegs auf DVD gepresst und unter offiziellem Banner in den Handel gebracht.

Die Umsetzung lässt sich am einfachsten als “quick & dirty” beschreiben, selbst auf einfachste (und von jeder Heim-Brenn-Software gebotene) Funktionen wie das Setzen von Kapitelmarken für die einzelnen Titel oder gar Abspanntafeln zur Auflistung der vertretenen Musiker wurde gänzlich verzichtet. Stattdessen gibt es Retro-Video-Feeling pur mit einem unsauberen Cut an Anfang und Ende, wie man es eigentlich nur von eigenen Überspielversuchen mit Heim-Videorekordern aus den 80’ern kennt - selbstverständlich inklusive Farbverfälschungen, Spurproblemen und was noch so alles im Laufe der Jahre aus der eigenen Erinnerung verdrängt wurde. Selbst ein mehrsekündiges Blaublild mit eingeblentetem “PLAY” blieb gegen Ende des Videos erhalten, obwohl es auch hier nur eine Sache von Minuten gewesen (und bei der miserablen Qualität auch niemanden aufgefallen) wäre, ein paar andere Frames an die Stelle einzukopieren.

Was bei ordentlicher Bearbeitung des offensichtlich noch vorhandenen Originalmaterials tatsächlich noch zu machen wäre, kann derzeit den Roger Waters Promotionclips auf Youtube entnommen werden und so bleibt zu hoffen, daß vielleicht doch noch - irgendwann - eine qualitativ hochwertige offizielle Veröffentlichung der Konzertmitschnitte stattfindet.