Musik

Megadeth - The System Has Failed

15. Oktober 2004 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Totgesagte leben länger – und so sind auch Megadeth von den Toten auferstanden und melden sich mit einer neuen Scheibe zurück.

Von der Besetzung der letzten Scheibe “The World Needs A Hero” ist auf “The System has Failed” nur Mastermind Dave Mustaine übrig geblieben, der seinen Ex-Bandkollegen von Metallica mit dem Album allerdings sehr deutlich vor Augen führt wie “Back To The Roots” klingen sollte, wenn man es ernsthaft versucht.

“The System has Failed” erinnert über weite Strecken an “Peace Sells” oder “Rust in Peace”, auch wenn die Produktion und der Gesamtsound keinen Zweifel daran aufkommen lassen, daß es sich bei dem Album um eine 2004’er Produktion handelt. Bei den meisten Songs wird beherzt aufs Gaspedal getreten und die stellenweise ausufernden Soloparts erinnern unweigerlich an Songs wie “Wake Up Dead”. Wühlt man etwas in den Credits, so stellt sich heraus, daß die Anleihen wohl nicht reiner Zufall sind –die zweite Gitarre wird von Chris Poland gespielt, der auch schon auf “Peace Sells” für genau diese Tätigkeit mit von der Partie war.

Alles in allem ist “The System has Failed” ein gelungenes Comeback mit dem wohl einige Nörgler, die Klasse-Alben wie “Risk” nicht viel abgewinnen konnten, wider deutlich mehr anfangen können. Trotzdem bleibt Verbesserungspotential, denn obwohl sich auf dem Album kein einziger Rohrkrepierer findet, sind die meisten Stücke gleichzeitig noch ein ganzes Ende von der Klasse des schon erwähnten “Wake Up Dead” entfernt.

Gut (11/20)


Dio - Master Of The Moon

15. Oktober 2004 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Daß sich das Besetzungskarussell im Hause DIO dreht ist fast schon so normal wie daß es im Winter früher mal regelmäßig geschneit hat. Und so hat sich auch zum aktuellen Album mal wieder einiges im Vergleich zum Vorgänger getan – Saitenhexer Doug Aldrich verdient sein Geld lieber als “Hired Gun” bei Whitesnake und Jimmy Bain ist in Richtung “Selbstverwirklichung” abgereist.

Also musste sich DIO um Ersatz bemühen und hat als Bassist den ehemaligen Whitesnake-Musiker (hatten wir die Band nicht gerade?) Rudy Sarzo eingestellt. Der neue Mann an den sechs Saiten ist hingegen schon seit der Sommertour 2003 dabei und auch erst das dritte Mal Mitglied der Band: Craig Goldie.

Soweit also zur personellen Vorgeschichte, um so spannender war die Frage, wie denn das neue Album klingen würde – vor allem nachdem “Killing The Dragon” ja doch sehr deutlich am schwachen Songwriting krankte.

Hier scheint die Rückkehr von Craig Goldie die Richtige Medizin zum richtigen Zeitpunkt gewesen zu sein – “Master Of The Moon” birgt beeindruckende Songs, wie sie in den letzten Jahren wohl nur auf “Magica” zu finden waren. Die Platte ist allerdings im Vergleich deutlich düsterer ausgefallen und erinnert vom Gesamtsound wohl am meisten an BLACK SABBATHs “Dehumanizer”, ist jedoch noch schleppender und Riff-orientierter. Schon der Opener “One More For The Road” zeigt deutlich, wo’s hingeht und bringt genau die klassische DIO-Atmosphäre, die Songs wie “The Last In Line” oder “Stand Up And Shout” zu unvergessenen Klassikern machte.

Mein persönliches Highlight ist allerdings der Titeltrack “Master Of The Moon”, in dem Craig Goldies Gitarrenspiel, der brachiale Sound und die glasklare Produktion so richtig gut zur Geltung kommen.

Super (15/20)


Alan Parsons - A Valid Path

15. Oktober 2004 · Audio · andreas · Kein Kommentar

"Es recht zu machen jedermann …" kann einfach nicht klappen. Wurde Alan Parsons bei seinen letzten Studioalben oft vorgeworfen, in den finsteren 80’ern stehen geblieben zu sein, so hat er sich mit “A Valid Path” allzu krampfhaft um eine Modernisierung seines Sounds bemüht.

So lugt der Elektrolurch aus allen Ecken und wer bei Drum-Loops panisch die Flucht ergreift, sollte die CD besser erst gar nicht einlegen. Richtig gruselig wird’s allerdings erst bei den beiden Remakes “Mammagamma 04” (einem Remake des “Eye in the Sky”-Instrumentals) und “A Recurring Dream Within A Dream”, das “A Dream Within A Dream” und “The Raven” durch den Elektromixer jagt.

Wo viel Schatten ist fällt Licht um so mehr auf, in diesem Falle ist es neben dem Track “L’Arc En Ciel”, der wenigstens noch etwas an alte Zeiten erinnert, der Einsatz von Pink Floyds David Gilmour, der “Return To Tunguska” mit seinem Gitarrenspiel veredelt.

Sorry, aber um’s mit Paul Gilbert zu sagen: “You can take the man out of the 80’s, but you can’t take the 80’s out of the man.” Und dann sollte man auch nicht versuchen, anderen (und vielleicht auch sich selbst) was vorzumachen.

Durchschnitt (05/20 Punkte)


Uriah Heep 2004-06-01

11. Juli 2004 · Konzerte · andreas · Kein Kommentar

Es gibt Menschen, die verreisen gerne – und es gibt Menschen, die sind nicht gerne zu Hause. In die letzte Kategorie fallen wohl auch Uriah Heep, die Jahr für Jahr unermüdlich die deutschen Bühnen landauf und landab beackern. Ab und an machen sie dabei auch mal in einer Stadt halt, die nicht auf der Standard-Reiseroute liegt – so wie in diesem Fall in Kaiserslautern. Die eher seltenen Gäste sorgten dann auch trotz Alleinunterhalterstatus für eine mit 900 Besuchern gut gefüllte Kammgarn, in der Uriah Heep mit leichter Verspätung die Bühne enterten.

Leider ist der aktuelle Output “Sonic Origami” inzwischen schon rund sechs Jahre alt und das neue, angeblich seit vielen Monaten fertiggestellte Album noch immer nicht veröffentlicht, so daß mit neuem Material nicht zu rechnen war. Leider – denn ein Uriah Heep-Konzert ist inklusive dazugehöriger Seitlist inzwischen fast so berechenbar wie der Gesamtpreis von drei Überraschungseiern.

So hatte sich denn auch gegenüber dem Dezember-Konzert mit Blue Oyster Cult und Fireball Ministry im Mannheimer Capitol kaum etwas geändert, nur die Setlist wurde durch den Austausch von “Bad Bad Man” durch “Look At Yourself” minimal modifiziert und auch die relativ kurze Spielzeit von 90 Minuten (zumal es – wie bereits erwähnt – keine Vorband gab) blieb unverändert. Auch an anderer Stelle boten sich hauptsächlich gewohnte Bilder: Bernie Shaw war während des ersten Songs in jeder freien Sekunde damit beschäftigt, am Mischpult an irgendwelchen Reglern zu drehen und der Roadie, der inzwischen vor- während und nach jedem Song an Lee Kerslakes Schlagzeug schraubt dürfte wohl demnächst den Status “6. Bandmitglied” erhalten. Nach rund 75 Minuten gab’s die leidige “Zugabe”-Pause und nach “Lady In Black” war endgültig Schluß. Einzig Keyboarder Phil Lanzon bot Abwechslung, hatte er doch Jesus und Weihnachtsmann durch ein hinter ihm aufgehängtes Plastikhuhn ausgetauscht.

Bevor jetzt aber irgendwer auf die Idee kommt, der Auftritt wäre schlecht gewesen – das war er nicht. Uriah Heep lieferten eine solide, routinierte Show ab, die das Publikum durchaus zu begeistern wußte. Nur leider an vielen Stellen zu vorhersehbar und zumindest für Fans, welche die Band in den letzten Jahren mehr als einmal gesehen haben, waren die “deja vu”-Erlebnisse einfach zu zahlreich.


Uriah Heep - Gypsy

9. Juni 2004 · Video · andreas · Kein Kommentar

uh-gypsySehr zum Leidwesen der jeweiligen Fans gehören Besetzungswechsel bei vielen Bands mehr oder minder zur Tagesordnung. Während bei Uriah Heep die meisten Anhänger entweder von der legendären Besetzung mit David Byron und Gary Thain schwärmen oder die aktuelle (und mit Abstand langlebigste) bevorzugen gab es dazwischen noch einige Konstellationen, die aber inzwischen mehr oder minder in Vergessenheit geraten sind.

Dies gilt wohl insbesondere für die Zeit mit dem früheren Trapeze-Sänger Peter Goalby, unter dessen Mitwirkung die Alben “Abominog”, “Head First” und “Equator” entstanden. Zu einen sicherlich nicht unbeträchtlichen Teil liegt dies an der grundsätzlichen Ausrichtung der Scheiben, die auf 80’s frisiert waren und als alles andere als “zeitlos” bezeichnet werden können.

Aus der Endphase dieser Besetzung (genauer gesagt der “Equator” Tour) stammen die Aufnahmen, die für “Gypsy” verwendet wurden aufgezeichnet im Camden Palace in London, England für die rund einstündige Fernsehshow “Live in London”.

So konzentriert sich die Setlist auch auf Songs des damals aktuellen Albums, angereichert mit Titeln aus den beiden Vorgängeralben sowie einigen unsterblichen Klassikern und bietet somit die wohl einmalige Gelegenheit, Songs wie “Rockarama”, “Sell Your Soul” oder auch “Angel” in einer Live-Version hören und sehen zu dürfen. Die Band selbst präsentiert sich in bester Spiellaune; Trevor Bolder ist wie immer der zeitlos gekleidete ruhende Pol, während man die stets zu Scherzen aufgelegten Mick Box (in schwarz-weiß-Streifenhose) und Lee Kerslake in ihrem Outfit auch bei IRON MAIDEN auf die Bühne stellen könnte. Einzig Tastenmann John Sinclair (optisch stark an den jungen Campino erinnernd) bleibt eher im Hintergrund, was aber an der grundsätzlichen Ausrichtung auf pop-rockige Keyboard- statt Orgelsounds liegen dürfte.

Während das Cover wohl hoffentlich mit Absicht so erstellt aussieht, als hätte man einen der billigsten Bootlegs aller Zeiten in der Hand, kann das Bild der DVD für sein Alter durchaus überzeugen. Die Farben sind klar, Umrisse scharf kurzum es sieht nicht aus, als hätte man einen der leider mancherorts üblichen Billig-direkt-von-abgenudeltem-Video-auf-DVD-Transfers gemacht.

Der Ton, auf dem Cover als “Dolby Digital 5.1” angegeben verspricht in Papierform mehr, als die Lautsprecher hinterher halten können. Die originale Aufzeichnung ist Stereo und aus einem schon vorhandenen, fertig abgemischten Stereotrack kann man nun mal rückwirkend auch keine vernünftige Surroundaufnahme basteln. Somit kommt ein Großteil des Tons aus den Frontlautsprechern, klingt dafür aber, wie man es sich wünscht: klar und differenziert.

Als einzigen Bonus gibt es eine kurze Einführung vom Journalisten und ursprüglichen Host Dave Ling, der auch wahlweise zu jedem Song auf einer eigenen Audiospur noch ein paar kurze Kommentare liefert.