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Klaus Seilers Album-Highlights 2025 - Teil 2

20. Januar 2026 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Meine Album-Highlights des Jahres 2025 Teil 2 ohne Platzwertung:

Cœur De Pirate - Cavale

Cœur De Pirate - CavaleIm Bandcamp treiben sich auch Piraten herum, wie ich feststellen konnte. Béatrice Mireille Martin, wie sie tatsächlich heißt, ist die französischste Kanadierin ever. Wer sich einmal gerne die volle Packung an charmanter Musik in französischer Sprache gönnen möchte, liegt hier goldrichtig. Heiter, lebens- und farbenfroh ist die Frau selbst ein Charmebolzen erster Güte.

Die Songs liegen irgendwo im weiten Feld des beschwingten Chansons, hin zum French-Pop. Dieses Album würde ich sogar als rezeptfreie Medizin gegen jede Art des Depressionismus bezeichnen wollen. Selbstredend musste da gleich ein weiteres Album aus dem Camp her. Doppelt genäht hält eben besser.

Ina Forsman - After Dark Hour

Ina Forsman - After Dark HourIch bediene jetzt mal ein Klischee und frage frech: schaut diese Frau aus, als könnte man sie im weiten Feld zwischen Jazz, Blues und Soul verorten? Antwort: man kann. Denn sie bringt mit einer lässigen Selbstverständlichkeit hier einen guten Schuss von dem hinein, was man gemeinhin als Pop-Music bezeichnen mag. Quasi “a breath of fresh air”.

Es liegt an ihrer Stimme, die nur in Ansätzen (und das ist hier sehr gut so) “bluesig”, “soulig” oder nach (Vorsicht Klischee) etwas älterem Semester klingt. Mit kraftvoll-klarer Stimme taucht sie regelrecht in die Vintage-Sounds der Songs ein. Mit einem solchen Album könnte sie problemlos die junge Generation der Popmusik-Hörer für eben Jazz, Blues und Soul begeistern. Sie ist übrigens in Finnland geboren, lebt in Berlin und mischt alljährlich die Clubszene ordentlich auf.

Wer ein oder zwei Ohren riskieren mag, dem empfehle ich “After Dark Hour” oder “That Is All

Youssou N’Dour - Eclairer le monde - Light the World

Youssou N'Dour - Eclairer le monde - Light the WorldJetzt kommt ein recht defitiges Break, hin zu meinem immer noch vorhandenen Faible für Musik vom schwarzen Kontinent.

Der Mann (übrigens einer der ganz großen Künstler der westafrikanischen Musik) darf in zartem Alber von 66 Jahren nochmal zeigen, wie man traditionelle senegalesische Musik mit der modernen Popmusik-Sounds verwebt und verbindet. Wer ihn nicht kennt, dürfte aber problemlos den den Song “7 Seconds” im Duett mit Neneh Cherry im Ohr haben. Oder auch “Shaking The Tree”, den er zusammen mit Peter Gabriel schrieb. Auch wieder ein Album, welches das Prädikat “Ohrenschmeichler” sehr verdient. Toll und wahrscheinlich mit analogem Equipment produziert, sind all die etwas fremdländischen Instrumente wie Balafons, die Sokou oder Ngoni (bitte mal googlen) klar und deutlich vernehm- und ortbar.

Schlicht und ergreifend: Afro-Pop, wie er besser kaum klingen kann.

Phaeleh - Dark Sky

Phaeleh - Dark SkyUnd wieder ein heftiges Break. Phalae? Wer oder was ist Phalae? Nun, wenn man im Bandcamp herumstolpert, bleibt man an so mancher seltsamen Baumwurzel hängen. Hinter diesem Projekt steckt ein gewisser Matthew “Matt” Preston, Multi-Instrumentalist und DJ aus Bristol / UK. Aufs erste Hören könnte man meinen: leicht esoterische KlingKlong-Electronic für den Wellness-Tempel. Wenn man aber genauer hinhört, kann man phantasievoll ausgefeilte Songstrukturen erkennen, die tatsächlich (zumindest bei mir) sowas wie eine meditative Wirkung entfalten. Eben nichts für den Hintergrund im Spa, sondern ein Eintauchen in sphärische Klangwelten, mit denen man sich herrlich “wegbeamen” kann. Aber natürlich muss man hier auch einen gewissen Nerv dazu haben und ich verstehe auch alle, die hier dankend abwinken. ;-))

Deacon Blue – The Great Wester Road

Deacon Blue – The Great Wester RoadSurprise, surprise. Der New Wave-Sound im Breitwandformat der 1980er Jahre feiert fröhlich eine Wiederauferstehung. Deacon Blue sind sowas wie Dinosaurier der späten 1980er bis frühen 1990er. Unermüdlich brachten sie bis heute Album für Album raus, ab Mitte der 1990er blieben allerdings hierzulande Chartplatzierungen weitestgehend aus und man verlegte sich aufs Fremdproduzieren, schrieb viele Songs für andere Künstler und Künstlerinnen. Aber jetzt und mit diesem hochmelodischen Album zeigen sie wieder ein sehr feines Lebenszeichen und da ich einfach immer noch eine Ader für diese Sorte Pop habe und es nur noch sehr wenig an für meine Begriffe gutem Stoff davon gibt, darf das Album in meine Top 10.


Album-Highlights 2025

11. Januar 2026 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Meine Album-Highlights des Jahres 2025 in alphabetischer Reihenfolge:

Album-Highlights 2025

Dirkschneider & The Old Gang - Babylon

Auch ohne den Überraschungseffekt der “Arising"-EP haben Udo Dirkschneider und “seine” Old Gang meine recht hohen Erwartungen erfüllt und auch auf Albumlänge die Essenz dessen abgeliefert, warum ich irgendwann mal angefangen habe, Rock und Metal zu hören.

Nicht nur die Songs sind hörenswert, auch die mit einer gehörigen Portion Humor gewürzten Videoclips transportieren den Spaß, welchen die Musiker während der gemeinsamen Arbeit miteinander hatten.

Flor de Loto - Cosmos

Ich hatte Flor De Loto bereits in Hörenswert #122 vorgestellt und genau wie “Crossfire” hat auch der Rest von “Cosmos” im Laufe des Jahres nichts von seiner Faszination verloren.

Robert Plant With Suzi Dian - Saving Grace

Zu einem Dauergast in meinen Album-Highlights entwickelt sich Robert Plant - sofern er denn ein neues Album veröffentlicht. Aufgenommen mit seiner langjährigen Touring-Band teilt er sich dieses Mal den Gesang mit Suzi Dian und liefert ein Album mit zehn Neuinterpretationen mehr oder minder bekannter Klassiker.

Rush - Grace Under Pressure 1984 Tour

Nach der überraschenden Ankündigung, daß Geddy Lee und Alex Lifeson zusammen mit der deutschen Schlagzeugerin Anika Nilles 2026 eine Nordamerika-Tour starten, war nochmal eine Rude Rush hören angesagt.

“Red Sector A” bleibt mein Lieblingssong der Band und “Grace Under Pressure 1984 Tour” gefällt mir ein ganzes Stück besser als das für mein Empfinden zu sehr polierte “A Show Of Hands”.

Rick Wakeman - Melancholia

Mit “Melancholia” schließt Rick Wakeman seine Piano Trilogie (“Piano Porttaits”, “Piano Odysee”, “Melancholia”) ab und liefert einen eher nach innen gerichteten Blick.

Melancholie zielt hierbei nicht auf die meist mit dem Wort assoziierte Traurigkeit ab, sondern meint nach Aussage Rick Wakemans Nachdenklichkeit. So ist ein eher ruhiges Album entstanden, welches auf jegliche Theatralik verzichtet und den Zuhörer trotzdem mit auf eine spannende Reise nimmt.

Maßgebend war das Anschaffungs-, nicht das Erscheinungsdatum.

Klaus Seilers Album-Highlights 2025 - Teil 1

02. Januar 2026 · Audio · Klaus Seiler · Kein Kommentar

Meine Album-Highlights des Jahres 2025 Teil 1 ohne Platzwertung:

Epica - Aspiral

Epica - Aspiral"Aspiral" von Epica war bereits nach den ersten Appetithappen im Net Pflicht. Ich mag immer noch Symphonic Metal sehr und derzeit sind Epica für mich sowas wie die Speerspitze in dieser Richtung. Und Simone Simmons ist bzw. singt in der gleichen Liga wie Floor Jansen. Nach vorne stürmendes Drumming, prägnante Gitarren, maßvolles Growling und natürlich die Symphonic-Parts zusammen mit Simmons, das ergibt eine Melange, die zu keiner Minute langweilig wird.

Von daher ein Muss für Fans dieser Sorte Musik. Im Gegensatz zum “Yesterwynde” von Nightwish aus dem letzten Jahr ist dieses hier ein Album der Sorte “voll auf die Zwölf”.

Kleine Randbemerkung: ich hatte “Yesterwynde” im vorigen Jahr erst einmal links liegen lassen. Das hat sich mittlerweile doch sehr geändert. ;-))

IQ - Dominion

IQ - DominionIch mag komplexte Songstrukturen, die spannend sind und die berühmten Windungen und Wendungen aufweisen. Wenn dann noch eine sehr melodische und schlicht angenehme Stimme zu hören ist, die Keyboards die Songs zusammenhalten ohne zu dominieren, die eine oder andere Basslinie wie aus dem Nichts auftaucht, dann darf ein Song wie der Opener auch gerne einmal sowas wie Überüberlänge haben. Über die gesamte Länge ein für mich hochspannendes Album, sehr emotional, oft auch ein wenig düster. Und ganz nebenbei: über einen sehr ordentlichen Sennheiser abgehört, macht das das Werk sogar noch ein wenig mehr Spass.

Jethro Tull - Curious Ruminant

Jethro Tull - Curious RuminantZählt man Jethro Tull und insbesondere dieses Album heute noch zum progressiven Rock? Oder haben sich hier die Grenzen hin zur schnöden “progressiven” Popmusik verschoben? Wie auch immer, nach dem für mich sehr durchwachsenen “RökFlöte” kommt hier ein Album, das durch sehr feines Songwriting und eine ruhig-nachdenkliche Grundstimmung überzeugen kann. Da wirkt nichts auch nur ansatzweise hektisch-nervös, alles ist im Fluss und man könnte fast sagen: in der Ruhe liegt die Kraft. Anderson ist hier übrigens richtig gut bei Stimme. Ein Album, wie geschaffen, um mal wieder für ein knappes Stündchen (tatsächlich!) zu chillen und die Gedanken ein wenig schweifen zu lassen.

Gina Sicilia - Bring It On Home A Tribute To Sam Cooke

Gina Sicilia - Bring It On Home A Tribute To Sam CookeEiner dieser berühmten Zufallsfunde im Bandcamp. Wer sich an Sam Cooke rantraut, gibt den Songs entweder eine eigene Note oder scheitert grandios. Miss Sicilia hat sich für die 1. Variante entschieden. Wie gut, daß sie im Soul & Blues sowieso zuhause ist, das hilft schon einmal sehr. Wer ein Faible für die Songs eines der Urväter des Soul aus den 1950er / 1960er Jahren hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Übrigens: “Blowin in the Wind” ist zwar von Dylan, aber 1964 kam eine Coverversion im Soulgewand von Cooke raus.

Tja, nach meinem ganz persönlichen Empfinden kann sich Dylan da schon ein wenig aus dem Staube machen. Und Gina Sicilia schiebt den Song ganz lässig in den heutigen Neo-Soul rüber. Chapeau!

Candi Staton – Back To My Roots

Candi Staton – Back To My RootsBleiben wir noch ein wenig im Bereich Soul und Gospel. Sie war für mich in diesem Beritt die Überraschung des Jahres. Candi Staton ist schlicht the Queen of Soul Music. Mit mittlerweile 84 Jahren(!) legt sie hier ein Roots-Album vor, das seinesgleichen sucht und wahrscheinlich nicht wieder finden wird. Auf jedem einzelnen Song zelebriert sie (übrigens hervorragend bei Stimme) den Oldschool-Soul mit allem, was dazu gehört (Chorus, Örgelchen, Piano und sanfter E-Gitarre). Wenn ich mir das Album mit Kopfhörer zu Gemüte führe, bin ich der Ansicht: tolle, analoge Produktion in warmem Klangewand und breiter Stereo-Range. Sowas nennt man auch gerne einmal ein Ohrenschmeichler. Sehr beeindruckend, wenn man sie über 1963 “speaken” hört.


Warpath - Massive

13. Juni 2025 · Audio · andreas · Kein Kommentar

Warpath - Massive (Cover)"Let’s move, boys and girls. Sattelt Opas Trabbi, schnappt Euch Omas Hackebeil und folgt mir auf den Warpath…" - angeblich soll man durch die Wiederholung besonders markanter (oder hier wohl eher dämlicher) Phrasen es oftmals schneller erreichen, daß sich jemand an etwas erinnert, als durch unendliche “Weißt Du noch…? Erinnerst Du Dich..?"-Orgien. Nachdem Ihr Euch nun also alle daran erinnert habt (seh’ ich da etwa noch jemanden, der herumrätselt, was das Ganze soll?), daß wir Euch Warpath schon im letzten UNDERGROUND EMPIRE mit einem Demo vorgestellt haben, folgt hier nun die Besprechung ihrer inzwischen schon zweiten CD.

Ihr Erstlingswerk erschien in etwa parallel zu Underground Empire 6 und somit leider zeitlich etwas ungünstig, so daß wir hier auf eine einzelne Besprechung verzichten wollen. Nur so viel: Der Erstling enthält die Songs der Demo plus ein paar weitere, die sich aber nahtlos in die restlichen Songs einfügen und hält somit den hohen Level des Demos. Und als Beigabe gibt’s dann noch das Evergreen ›Black Metal‹, das unter gesanglicher Mitwirkung von Sabina Claasen und Cronos (dem Original!) gecovert wurde.

Die zweite CD präsentiert sich dann auch als würdiger Nachfolger des Erstlings. Warpath behalten auch hier wieder ihre gelungene Mixtur aus Thrash und Death bei und präsentieren sich auf “Massive” noch ein Stück aggressiver als auf ihrem Erstschlag, obwohl sie stellenweise etwas auf das Bremspedal getreten haben. Treffender Albumname also!

Beeindruckend (13/20)

1994 für das Underground Empire 7 verfasst und dort auszugsweise als Teil von “Warpath / Massive / Against Evereyone” veröffentlicht, fehlte der ursprüngliche Text bisher hier im Blog.

David Gilmour - Luck and Strange

27. Mai 2025 · Audio · andreas · Kein Kommentar

David Gilmour - Luck and Strange (Cover) Daß Künstler bei der Promotion ihres aktuellen Werks über das Ziel hinausschießen, ist mehr als verständlich: Schließlich haben sie gerade einen nicht unerheblichen Zeitraum mit dessen Erschaffen verbracht und der Abstand, der vielleicht für eine realistische Einschätzung notwendig wäre, ist noch nicht vorhanden. Wenn aber ein Musiker von Kaliber eines David Gilmour eine Aussage wie

It’s the best work I’ve done, the best album I’ve made since “The Dark Side Of The Moon” in 1973. [Quelle]

tätigt, ist mehr als eine kleine Portion Skepsis angebracht. Neben zahlreichen Soloalben liegen auch Werke wie Pink Floyds “A Momentary Lapse Of Reason” oder “Wish You Were Here” in dieser Zeitspanne - maßgeblich von Roger Waters geprägte Alben wie “The Wall” mal ausgeklammert.

Trotzdem sollte ein neues Album von David Gilmour ein sicherer Kandidat für die Jahrescharts sein, “Luck and Strange” hat es aber trotz eines eher schwachen Veröffentlichungsjahrgangs letztendlich nicht geschafft, sich zu plazieren. Daraus auf ein schwaches Album zu schließen ist allerdings genauso falsch wie die Werbeaussage seines Erschaffers.

Nach dem eher unauffälligen Intro folgt mit dem Titelsong als zweiter Track das erste Highlight, basierend auf einem der Barn Jams mit Richard Wright und ist alleine schon wegen dessen unvergleichlicher Arbeit am Keyboard hörenswert. Die erste Auskopplung und gleichzeitig das nächste Highlight “The Piper’s Call” folgt direkt und der Song könnte meiner bescheidenen Meinung nach vor allem im Instrumentalteil gerne mindestens doppelt so lange laufen.

Leider schafft es “Luck and Strange” aber anschließend nicht, das vorgelegte Niveau zu halten und begibt sich in ruhigere und unauffälligere Gewässer, von denen zumindest bei den ersten Durchläufen nur wenig hängenbleibt.

Aufhorchen lässt “Between Two Points”, die einzige Coverversion des Albums. Gesungen von David Gilmours Tochter Romany ist der Song ein interessantes Zwischenstück, bei dem sich aber die Frage stellt, ob der Song außerhalb des väterlichen Album-Kontexts und unter anderem Namen veröffentlicht größere Beachtung gefunden hätte.

Bei “Dark and Velvet Nights” lässt vor allem die Schlagzeugarbeit anschließend noch einmal aufhorchen, bevor das Album mit zwei weiteren Stücken eher unauffällig zu Ende geht.

Von den Bonustracks ist “Yes, I have Ghosts” sicherlich der uninteressantere, zumal er als Bonus zu Polly Samsons Buch “A Theatre For Dreamers” bereits erhältlich war. “Luck And Strange (Original Barn Jam)” hingegen ist der originale Jam, auf dessen Grundlage “Luck and Strange” entstanden ist und bietet mit fast 14 Minuten deutlich mehr Pink Floyd, als das gesamte “Endless River”.